Aktualizováno 24.9.2026
Frag in Sachsen jemanden nach den Bergen in Tschechien, und du hörst Riesengebirge, Erzgebirge, vielleicht noch Böhmerwald. Das Adlergebirge kennen die wenigsten, obwohl es von Dresden aus nicht viel weiter ist als in die Spindlermühle. Dabei steckt in diesem langen, bewaldeten Kamm an der polnischen Grenze erstaunlich viel: Aussichtstürme auf fast jedem Gipfel, die Felsschlucht der Wilden Adler, riesige Bunker aus den Dreißigerjahren und eine Wallfahrtskirche, deren Dach zum Teil aus Glas ist. Die Adlergebirge Sehenswürdigkeiten liegen zudem so dicht beieinander, dass du an einem langen Wochenende das meiste davon siehst, und zwar ohne das Gedränge, das du von der Schneekoppe kennst.
Auf Tschechisch heißt das Gebirge Orlické hory, auf Polnisch Góry Orlickie, denn ein kleines Stück im Nordosten gehört zu Polen. Wir haben dir 18 Ausflugsziele im Adlergebirge zusammengestellt, von der Deschneyer Großkoppe als höchstem Gipfel über das Landestor bis zu weniger bekannten Aussichtstürmen und Lehrpfaden. Bei jedem Ziel steht, wie du hinkommst, wie anstrengend der Weg ist, was der Eintritt kostet und worauf du achten solltest.
Adlergebirge Sehenswürdigkeiten auf einen Blick
- Höchster Berg: Velká Deštná (Deschneyer Großkoppe), 1.116 m, mit Aussichtsturm direkt am Hauptkamm.
- Nicht verpassen: das Landestor (Zemská brána), Neratov (Bärnwald) mit seiner Glasdachkirche, die Masaryk-Baude auf dem Šerlich und die Festung Hanička.
- Mit Kindern: die Kreuzung Pěticestí, der Suchý vrch mit der Kramář-Baude, Lehrpfade und der Stausee Pastviny.
- Im Winter: Skigebiete in Říčky, Deštné und Čenkovice, dazu gespurte Loipen auf dem Kamm.
- Beste Zeit: Mai bis Oktober zum Wandern, Januar bis März für Ski und Langlauf.
- Gute Standorte: Deštné v Orlických horách (Deschnei), Říčky und Rokytnice v Orlických horách (Rokitnitz), von dort bist du schnell auf dem Kamm.

Adlergebirge in Tschechien: Anreise und beste Reisezeit
Das Adlergebirge ist rund 50 Kilometer lang und zieht sich von Olešnice v Orlických horách (Gießhübel) im Nordwesten bis nach Králíky (Grulich) im Südosten. Im Sommer wanderst du hier durch Buchen- und Fichtenwälder, im Winter wird der Kamm zur Langlaufstrecke. Zum Wandern und Radfahren eignen sich Mai bis Oktober am besten: Die Wege sind trocken, die Aussichtstürme offen, und im Herbst leuchten die Buchen in den Schutzgebieten. Juli und August sind am wärmsten, dann wird es an den bekanntesten Stellen wie der Velká Deštná oder in Neratov voll, vor allem am Wochenende.
Im Winter lebt die Region vom Skifahren und Langlaufen. Der Hauptkamm wird regelmäßig gespurt und gehört zu den schönsten Loipen in Tschechien. Pisten findest du in Říčky, in Deštné und in Čenkovice im Süden des Gebirges, und gleich hinter der Grenze liegt das polnische Zieleniec (Grunwald) mit über 20 Liften.
Am bequemsten kommst du mit dem Auto: Nach Deštné sind es von Görlitz gut 200 Kilometer, von Dresden rund 300, von Berlin und Leipzig jeweils gut 400 und von München etwa 550 Kilometer. Je nach Route fährst du durch Tschechien oder ein Stück durch Polen; für die tschechischen Autobahnen brauchst du eine elektronische Vignette, die du vorher auf edalnice.cz kaufst. Mit der Bahn geht es meist über Prag nach Týniště nad Orlicí und weiter mit dem Regionalzug, zum Beispiel nach Rokytnice. In die Kammorte fahren Busse, aber nicht oft, und ohne Auto wird es in den Bergen umständlich. Als Standort bieten sich Deštné, Říčky oder Rokytnice an, von dort liegen der Kamm und die meisten Tipps am nächsten.
💡 Tipp: Wenn du übers Wochenende kommst, schlaf lieber direkt in den Bergen als im Vorland. Dann bist du morgens auf dem Kamm, bevor die Tagesausflügler aus dem Tal eintreffen. Unterkünfte in Deštné und Umgebung →
18 Adlergebirge Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele
Wir gehen grob von Norden nach Süden vor, erst den Kamm entlang und dann ins Vorland. Viele Ziele kannst du zu einer längeren Tour verbinden, denn der Hauptkammweg führt fast an allen Gipfeln vorbei.

1. Velká Deštná (1.116 m), das Dach des Adlergebirges
Der höchste Gipfel des Gebirges, auf Deutsch Deschneyer Großkoppe, ist der logische Pflichtstopp. Oben steht seit 2019 ein 19 Meter hoher Aussichtsturm aus Stahl, verkleidet mit Lärchenholz, und bei klarer Sicht schaust du über das Vorland, das Heuscheuergebirge und bis zum Glatzer Schneeberg. Früher las man oft 1.115 Meter; das ist die Höhe des Vermessungspunkts, der höchste Punkt liegt einen Meter darüber. Am einfachsten gehst du auf dem rot markierten Kammweg vom Sattel unter dem Šerlich hinauf, wo es einen Parkplatz und eine Bushaltestelle gibt. Der Weg ist bequem und für Kinder gut machbar, nur in der Saison ist es auf dem Gipfel entsprechend belebt. Wo die Deschneyer Großkoppe unter den tschechischen Gipfeln steht, zeigt unsere Liste der höchsten Berge Tschechiens.
2. Šerlich und die Masaryk-Baude, das Herz des Kamms
Der Šerlich (1.027 m) ist ein flacher Gipfel direkt an der Grenze, und im Sattel darunter beginnen die meisten Kammtouren, zur Velká Deštná genauso wie hinüber nach Polen. Knapp unter dem Gipfel steht auf 1.019 Metern die Masaryk-Baude (Masarykova chata), 1925 nach Plänen des Architekten Bohuslav Fuchs eröffnet und heute ein Kulturdenkmal. Hier bekommst du etwas Warmes zu essen und kannst auch übernachten. Vom Parkplatz sind es nur ein paar Hundert Meter. Zur Velká Deštná gehst du von hier auf dem rot markierten Kammweg Jiráskova cesta gut eine Stunde, über einen sanft gewellten Rücken ohne steile Anstiege, das schaffen auch Kinder. Im Winter, wenn die Bäume rundherum von Raureif überzogen sind, ist die Gegend unglaublich fotogen.
3. Vrchmezí (Hohe Mense, 1.084 m), Aussichtsturm auf der polnischen Seite
Die Vrchmezí, auf Polnisch Orlica, ist der höchste Berg im polnischen Teil des Adlergebirges und der fünfthöchste im ganzen Gebirge, obwohl der Gipfel selbst knapp auf tschechischem Boden liegt. Etwa 50 Meter entfernt, schon in Polen, steht ein frei zugänglicher, 25,5 Meter hoher Holzturm mit Steinsockel; die Aussichtsplattform liegt auf knapp 18 Metern. Von dort siehst du rundherum bis zum Riesengebirge, zum Heuscheuergebirge und zur Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt. Vor 1945 stand oben die Hohe-Mense-Baude, von der nur Reste der Grundmauern übrig sind. Am bequemsten kommst du vom Šerlišský mlýn auf der blauen Markierung zum Sattel Polomské sedlo und dann auf der roten zum Gipfel, rund vier Kilometer und auch für Familien machbar. Anstrengender ist der Weg über den Kamm aus Olešnice.
4. Kunštátská kaple, die höchstgelegene Kapelle im Gebirge
Direkt auf dem Hauptkamm, auf gut 1.035 Metern, steht die Kunštátská kaple, die Kapelle Mariä Heimsuchung, auf Deutsch auch Kronstädter Bergkapelle. Der heutige kleine Rundbau mit sieben Metern Durchmesser stammt von 1869, an derselben Stelle stand aber schon um 1670 eine Kapelle, angeblich für Holzfäller aus Tirol. Die Jahreszahl 1671 ist bis heute auf dem Sockel einer Pietà zu lesen. Früher trafen sich hier Pilger und Händler von beiden Seiten des Gebirges. Am Bau vorbei führt der rot markierte Kammweg, die Kapelle ist also ein einfacher Halt auf dem Weg zur Kreuzung Pěticestí, und die Forststraße Bunkrovka folgt von hier der alten Bunkerlinie. Im Winter ist sie ein beliebtes Ziel für Langläufer.

5. Zemská brána (Landestor), die wildeste Schlucht der Wilden Adler
Wenn du nur ein einziges Ziel schaffst, dann dieses. Im Landestor hat sich die Wilde Adler (Divoká Orlice) durch den Kamm gefressen und springt über ein Bett aus großen Felsblöcken, links und rechts steile Gneisfelsen, an denen gelegentlich Kletterer hängen. Der Name kommt daher, dass der Fluss jahrhundertelang die Landesgrenze bildete und genau hier nach Böhmen hinein abbiegt. Am Fluss entlang führt ein blau markierter Weg über die Schmugglerbrücke Pašerácká lávka, parallel dazu ein Lehrpfad, zusammen rund drei Kilometer ab Klášterec nad Orlicí und ohne nennenswerte Steigung. Unterwegs kommst du an Bunkern der Vorkriegszeit, an der steinernen Brücke von 1903 und am Ledříček-Felsen vorbei, um den sich eine Räubersage rankt. Am schönsten ist es im Frühjahr, wenn der Fluss viel Wasser führt, und im bunten Herbst.
6. Pěticestí, Kreuzung für Familien und Langläufer
Pěticestí heißt übersetzt „Fünfwegekreuzung“, und genau das ist es: ein beliebter Knotenpunkt der Kammwege im mittleren Teil des Gebirges oberhalb von Říčky, an dem mehrere Markierungen zusammenlaufen. Am schnellsten bist du von der Bergstation der Sesselbahn auf dem Zakletý hier, das ist rund ein Kilometer, bequem geht es aber auch von Deštné aus. Von hier aus läufst du auf dem roten Kammweg nach Norden zur Kunštátská kaple, zum Šerlich und zur Velká Deštná oder nach Süden zum Anenský vrch, als Einstieg in den Hauptkamm ist die Kreuzung ideal. Im Sommer starten hier gemütliche Familienrunden, im Winter ist Pěticestí einer der wichtigsten Punkte im Loipennetz. Die Wälder ringsum sind flach und übersichtlich, verlaufen kann man sich hier kaum.
7. Anenský vrch und der Aussichtsturm Anna, Kammaussicht zum Nulltarif
Der Anenský vrch, früher Ernestinenberg, liegt auf dem Hauptkamm rund sieben Kilometer nordöstlich von Rokytnice; je nach Quelle wird er mit 991 bis 997 Metern angegeben. Seit Oktober 2010 steht auf ihm der 17 Meter hohe Holzturm Anna, ganzjährig und kostenlos zugänglich. Eine Wendeltreppe mit 65 Stufen führt zur einzigen Plattform auf zwölf Metern. Zum Gipfel zweigt vom Kammweg nur ein rund 400 Meter langer, rot markierter Stich ab; du kommst auf der blauen Markierung aus Říčky her oder auf der roten vom Parkplatz Panské Pole bei der Festung Hanička. 2024 wurden die von Insekten und Fäulnis angegriffenen Tragsäulen durch Stahl ersetzt. Neben dem Turm stehen noch zwei Infanteriebunker von 1937. Ein idealer Halt bei der Kammwanderung, bei dem du auf keine Öffnungszeiten achten musst.

8. Suchý vrch und die Kramář-Baude, fünf Meter unter der Tausendermarke
Der Suchý vrch (995 m) ist der höchste Berg im Südosten des Gebirges und liegt genau auf der alten Grenze zwischen Böhmen und Mähren. Im Sattel unter dem Gipfel steht die Kramář-Baude (Kramářova chata) mit einem angebauten Aussichtsturm von 1932, der früher auch als Wasserturm diente und einen Rundblick bis zum Altvatergebirge und zum Glatzer Schneeberg bietet. Die Baude brannte 2003 aus und ist seit 2012 wieder offen. Das Schöne für weniger Geübte: Vom Pass Červenovodské sedlo führt eine Straße bis zur Baude, wo ein im Sommer kostenpflichtiger Parkplatz liegt. Wer lieber zu Fuß hinaufwill, nimmt eine der markierten Wanderrouten von unten. Gut kombinieren lässt sich der Berg mit der nahen Festung Bouda.
9. Festung Hanička, Beton aus dem Jahr 1938
Die Hanička ist eine Artilleriefestung des tschechoslowakischen Grenzwalls, der ab 1935 gegen Hitlerdeutschland gebaut wurde; sie gehört zu den nur fünf Festungen, die bis zum Münchner Abkommen im Herbst 1938 im Rohbau fertig wurden. Heute ist sie ein Museum, und du läufst durch unterirdische Gänge, Maschinenräume, Munitionslager und Kasernen. Sie liegt nahe der polnischen Grenze, rund fünf Kilometer Luftlinie von Rokytnice. Ins Navi gibst du „Parkoviště Hanička“ auf dem Panské Pole ein, von dort sind es noch 20 bis 30 Minuten zu Fuß, weil die Zufahrt für Autos verboten ist. Die Führung dauert rund 60 Minuten, die verlängerte Variante etwa 80 Minuten. Erwachsene zahlen 140 Kč (ca. 5,60 €), Kinder ab sechs Jahren und Studierende 100 Kč (ca. 4 €). Geöffnet ist von Mai bis Oktober, montags geschlossen, von Dezember bis März bleibt die Festung wegen der überwinternden Fledermäuse ganz zu. Die Website der Festung gibt es auch auf Deutsch, und für die Führung kannst du eine Audioguide-App in mehreren Sprachen herunterladen.
💡 Tipp: In den Festungen hat es auch im Hochsommer nur etwa 5 bis 8 °C, in der Bouda sogar eher um die 6 °C. Nimm eine warme Jacke und feste Schuhe mit, auch wenn draußen die Sonne brennt. Die Bunkermuseen sind außerdem der beste Plan B, wenn es auf dem Kamm regnet.
10. Festung Bouda, die einzige im Originalzustand
Die Bouda gehört zur selben Befestigungslinie und liegt im Süden des Gebirges, im Wald über Těchonín, Lichkov und Dolní Boříkovice, etwa fünf Kilometer südwestlich von Králíky. Der Betreiber nennt sie die am besten erhaltene Festung ihrer Art in Tschechien, zugänglich im völlig ursprünglichen Zustand: fünf Bunker, verbunden durch rund 1,5 Kilometer Gänge bis zu 60 Meter unter der Oberfläche. Bis zum Eingang kommst du nur zu Fuß, die Zufahrt in den Wald ist gesperrt. Der kürzeste Weg führt vom Parkplatz an der Kramář-Baude auf dem Suchý vrch auf der roten Markierung in etwa 45 Minuten durch den Wald. Die Grundführung dauert 90 bis 100 Minuten und kostet 190 Kč (ca. 7,60 €), ermäßigt 145 Kč; im Juli und August und an einigen Aktionswochenenden gibt es zusätzlich die kürzere Führung durch das Eingangsobjekt (50 bis 55 Minuten, 130 Kč) und den großen Rundgang von mehr als drei Stunden (420 Kč). Von Mai bis September ist täglich geöffnet, im Oktober an den Wochenenden. So verbindest du den Suchý vrch und die Bouda zu einem Festungstag.
11. Festung Dobrošov, Artilleriewerk über Náchod
Am Nordrand der Region, über der Grenzstadt Náchod, liegt die Artilleriefestung Dobrošov. Gebaut wurde ab 1937, fertig wurde sie nie, und genau das macht sie spannend: Du siehst, wie weit man bis zum Herbst 1938 gekommen war. Nach einer aufwendigen Sanierung hat sie heute ein modernes Besucherzentrum, von dem aus der Grundrundgang mit den Bunkern Můstek und Zelený startet; im Juli und August kommt der Bunker Jeřáb dazu. Geöffnet ist von April bis Oktober, im April, Mai, September und Oktober von Donnerstag bis Sonntag, im Sommer von Dienstag bis Sonntag. Der Grundrundgang kostet 190 Kč (ca. 7,60 €), zusammen mit dem Jeřáb 240 Kč (ca. 9,60 €), nur das Besucherzentrum 90 Kč. Die letzte Führung startet 90 Minuten vor Schluss.
12. Říčky v Orlických horách, Sommer wie Winter
Říčky ist einer der wichtigsten Bergorte und ein beliebtes Skigebiet (Ski centrum Říčky). Im Winter fährst du hier Ski, im Sommer ist der Ort eine gute Basis für Touren auf den Kamm und in die Wälder. Die Vierer-Sesselbahn bringt dich auf den Zakletý (992 m), von dem du auf die polnische Seite, zum Riesengebirge und zum Altvatergebirge schaust. Vor allem stehst du damit gleich auf dem Hauptkamm: Zur Kreuzung Pěticestí ist es rund ein Kilometer, von dort weiter auf dem Kammweg etwa zum Anenský vrch. Die Bahn fährt auch außerhalb der Skisaison und nimmt Fahrräder mit; unten gibt es einen Bikepark, und für die Fahrt die Piste hinunter kannst du Geländekarts und Tretroller leihen. Die aktuellen Betriebstage und Preise prüfst du vorher auf skiricky.cz.

13. Stausee Pastviny, Baden und Wassersport
Pastviny ist ein Stausee an der Wilden Adler im Vorland des südlichen Gebirgsteils, von den Kammorten bist du mit dem Auto in etwa einer halben Stunde da. An heißen Tagen ist er der Treffpunkt der Gegend: Man kann baden, und am Ufer gibt es im Sommer meist Verleihe für Tretboote, Elektroboote und SUP-Boards, dazu Parkplätze an den Wiesen rund um den See. Um den See führt eine gemütliche Radroute. Für Familien ist Pastviny der ideale Ausgleich zu den längeren Kammtouren, ein Tag am Wasser nach einem Tag in den Bergen.

14. Neratov (Bärnwald), die Kirche mit dem Glasdach
Wahrscheinlich das meistfotografierte Motiv im ganzen Adlergebirge. Die barocke Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Neratov, gebaut 1723 bis 1733, brannte am Ende des Zweiten Weltkriegs aus und verfiel danach jahrzehntelang. Beim Wiederaufbau nach 2000 bekam sie ein teilweise verglastes Dach, sodass du aus dem Kirchenschiff direkt in den Himmel schaust. Für viele deutsche Besucher hat der Ort eine eigene Geschichte: Bärnwald hatte vor dem Krieg über 500 Einwohner, fast alle deutschsprachig, und nach der Vertreibung 1945/46 war das Dorf beinahe verschwunden. Seit 1992 baut der vom Priester Josef Suchár gegründete Verein Sdružení Neratov den Ort wieder auf, heute gibt es hier eine lebendige Gemeinschaft mit Café, Werkstätten und einer kleinen Brauerei, und der Verein beschäftigt Dutzende Menschen mit Behinderung. Schön zu jeder Jahreszeit, besonders in der Dämmerung.
15. Deštné v Orlických horách, das Zentrum der Berge
Wenn du ohnehin in Deštné (Deschnei) wohnst, lohnt sich neben den Touren auf den Kamm auch ein Blick in den Ort selbst. Das Skicentrum Deštné ist im Winter eines der wichtigsten Skigebiete des Gebirges, mit Pisten für alle Könnerstufen und einer Sesselbahn, im Sommer gibt es einen Bikepark und Verleihe. Im Ort stehen die Kirche der heiligen Maria Magdalena und das kleine Museum für Wintersport, Wandern und Handwerk (Muzeum zimních sportů, turistiky a řemesel), wo du dich bei Regen gut aufhältst. Für Familien gibt es außerdem einen Lehrpfad mit Aufgaben für Kinder. Ein guter Ort, um sich für ein paar Tage niederzulassen und Kammtouren mit ruhigeren Tagen abzuwechseln.
💡 Tipp: Wenn du Erlebnisse und Tickets lieber vorab buchst, etwa Festungsführungen, Schlösser im Vorland oder Seilbahnen, schau in unser Angebot an Erlebnissen im Adlergebirge →
16. Rampušák und die Sýpka, das Museum des Adlergebirges
Rampušák ist der Berggeist und Herrscher des Adlergebirges, das örtliche Gegenstück zum Rübezahl im Riesengebirge. Er ist für das Wetter zuständig und Schutzpatron der Bergwacht, im Sommer übergibt er die Herrschaft an Prinzessin Kačenka. Uralt ist er allerdings nicht: Ein Rundfunkredakteur hat ihn 1962 für eine Radiosendung erfunden, seitdem taucht er auf Schnitzereien und bei Festen auf. Wenn dich Geschichte und Handwerk der Region interessieren, geh in die Sýpka, das Museum des Adlergebirges (Sýpka – Muzeum Orlických hor) in Rokytnice. Es steckt in einem ehemaligen Getreidespeicher des Rokytnicer Schlosses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ist seit 2013 offen und erzählt modern und interaktiv von Natur, Leben und Handwerk in den Bergen. Mitten im Haus steht eine neun Meter hohe Voliere mit über 50 präparierten Vogelarten, und in den Werkstätten kannst du alte Handwerke selbst ausprobieren. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Saison, prüf sie vor dem Besuch auf der Website des Muzeum a galerie Orlických hor. Ideal für einen Regentag.
17. Lehrpfade zu Bunkern, Geologie und Bier
Durch das Adlergebirge ziehen sich viele Lehrpfade, die aus einem Ausflug eine kleine Lektion machen. Drei davon lohnen sich besonders:
- Lehrpfad Betonová hranice („Betongrenze“) in Mladkov, der dem Grenzwall der Vorkriegszeit folgt und mehrere Bunker verbindet, bis hinauf zur Festung Bouda.
- Geologischer Lehrpfad Feistův kopec in Olešnice, der dir die geologischen Besonderheiten des Gebirges zeigt.
- Bier-Lehrpfad in Olešnice, eine unterhaltsame Runde durch den Wald, die zur örtlichen Brauerei Agent gehört.
Die meisten sind leicht und gut markiert, ideal für einen Tag, an dem du eher spazieren als steigen willst.
18. Bukačka und das Tal Peklo, Natur im Detail
Für Naturfreunde zwei Tipps abseits der Menge. Die Bukačka ist ein Naturschutzgebiet mit altem, knorrigem Buchenurwald ganz in der Nähe der Masaryk-Baude, eine kurze, grün markierte Runde von rund anderthalb Kilometern, am schönsten im Herbstnebel. Und im Vorland bei Nové Město nad Metují liegt das romantische Tal Peklo („Hölle“) an der Metuje: ein leichter Spaziergang von etwa fünf Kilometern durch Buchenwald, zauberhaft im Frühling und im Herbst.
Wie anstrengend ist das alles?
Die meisten Tipps oben sind leicht bis mittelschwer und mit Kindern machbar. Die Kammwege sind lang, aber ohne steile Anstiege, das Adlergebirge ist eben nicht das Riesengebirge. Die bequemsten Ziele wie der Suchý vrch oder der Anenský vrch mit dem Turm Anna lassen sich mit Auto oder Sesselbahn deutlich abkürzen. Anstrengender wird es nur auf dem gesamten Kammweg oder bei Aufstiegen aus dem Tal, zum Beispiel auf die Vrchmezí aus Olešnice. Nimm immer gute Schuhe mit, denn auch die „gemütlichen“ Waldwege sind nach Regen matschig.
Adlergebirge wandern: Touren auf dem Kamm
Wer mehr will als einzelne Stationen, wandert auf dem Hauptkammweg, der rot markierten Jiráskova cesta. Sie folgt dem Kamm vom Šerlich über die Velká Deštná weiter nach Südosten und verbindet die meisten Gipfelziele aus unserer Liste. Du kannst sie in Etappen teilen, der Abschnitt Šerlich → Velká Deštná → Pěticestí etwa ist eine entspannte Halbtagestour, die auch eine weniger trainierte Familie schafft.
Die klassische längere Tour verbindet die Masaryk-Baude auf dem Šerlich, die Velká Deštná und den Aussichtsturm auf der Vrchmezí: drei Gipfel an einem Tag und trotzdem ohne extreme Höhenmeter. Im Süden des Gebirges lockt die Kombination Suchý vrch mit der Kramář-Baude und Festung Bouda, bei der du Aussicht und Festungsgeschichte verbindest.
💡 Tipp: Lad dir vorher eine Offline-Karte herunter, zum Beispiel in der tschechischen App Mapy.com, die das Wegenetz des Tschechischen Wandervereins sehr genau zeigt. Auf dem Kamm und vor allem auf der polnischen Seite an der Vrchmezí kann das Netz wegbrechen. Die Markierungen selbst sind aber dicht und zuverlässig.

Schlösser und Burgen im Vorland
Wenn oben Nebel hängt oder es regnet, verlegst du das Programm ins Vorland. Die vier spannendsten Ziele liegen nah beieinander und passen gut in einen Tag, und auf dem Weg liegt auch das Renaissanceschloss Doudleby nad Orlicí mit seiner Sgraffito-Fassade.
- Schloss Častolovice. Ein Renaissanceschloss mit erhaltener Einrichtung, das bis heute der ursprünglichen Adelsfamilie gehört. Zum Gelände gehören ein Schlosspark und ein Tiergehege, deshalb passt es auch mit Kindern.
- Schloss Opočno. Ein Renaissancesitz mit Arkadenhof und einer Gemäldegalerie, die zu den wertvollsten Schlosssammlungen in Böhmen zählt. Erweiterte Führungen durch die Galerie gibt es nur an bestimmten Terminen, schau also vorher ins Programm.
- Nové Město nad Metují (Neustadt an der Mettau). Ein Renaissanceplatz mit Laubengängen und ein Schloss mit Garten von Dušan Jurkovič. Der Platz gilt als einer der schönsten in Böhmen.
- Potštejn. Eine Burgruine über dem Tal der Wilden Adler und ein Schloss darunter, dazu die Sage von einem Schatz, die über Jahrhunderte Schatzsucher hergelockt hat.
Berghütten und Bauden
Das Adlergebirge hat ein dichtes Netz an Berghütten, die als Einkehr und als Nachtquartier am Kammweg dienen. Die meisten stehen direkt am Kammweg, du kannst also eine mehrtägige Überschreitung planen, ohne ins Tal absteigen zu müssen. Außerhalb der Saison haben viele nur eingeschränkt offen und unter der Woche oft geschlossen, ruf deshalb lieber vorher an.
Das Adlergebirge mit Kindern und im Winter
Mit Kindern setzt du auf kürzere, übersichtliche Strecken. Bewährt haben sich Pěticestí mit den flachen Wäldern ringsum, der Weg zur Masaryk-Baude, der Aussichtsturm auf der Vrchmezí vom Šerlišský mlýn aus oder ein Tag am Stausee Pastviny. Wenn es regnet, retten eine Führung durch die Festungen Hanička, Bouda oder Dobrošov oder die Sýpka in Rokytnice den Tag. Auch die Lehrpfade mit Aufgaben machen Kindern meist Spaß.
Im Winter dreht sich im Adlergebirge fast alles um Ski und Langlauf. Pisten findest du in Říčky, Deštné und Čenkovice, der Kammweg gehört zu den schönsten Langlaufstrecken in Tschechien und wird regelmäßig gespurt. Die Masaryk-Baude und die Wälder ringsum sind unter Raureif auch für einen Winterspaziergang herrlich. Rechne damit, dass es im Talkessel von Orlické Záhoří (Kronstadt), einer bekannten Frostmulde, oft deutlich kälter ist als im Rest der Region, und zieh dich im Zwiebellook an. Wie sich das Adlergebirge im Vergleich zu den anderen tschechischen Bergen schlägt, liest du in unserem Überblick über die Gebirge in Tschechien.
Wohin als Nächstes
- Adlergebirge: Unterkünfte
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- Höchste Berge Tschechiens: 15 Gipfel von der Schneekoppe bis zum Jeschken
- Tschechien Sehenswürdigkeiten: 35 Orte, die du gesehen haben musst
Häufige Fragen
Welche Adlergebirge Sehenswürdigkeiten sollte man beim ersten Besuch sehen? Fang mit dem Trio Velká Deštná (1.116 m), Masaryk-Baude auf dem Šerlich und Landestor (Zemská brána) an. Damit hast du den höchsten Gipfel, das Herz des Kamms und die wildeste Schlucht gesehen. Wenn noch Zeit bleibt, fahr nach Neratov (Bärnwald) zur Kirche mit dem Glasdach.
Was ist der höchste Berg im Adlergebirge? Der höchste Berg ist die Velká Deštná (Deschneyer Großkoppe) mit 1.116 Metern; ältere Quellen nennen 1.115 Meter, das ist die Höhe des Vermessungspunkts. Oben steht ein 19 Meter hoher Aussichtsturm, und ein bequemer, markierter Weg führt vom Sattel unter dem Šerlich hinauf.
Was kann man im Adlergebirge bei Regen machen? Der beste Plan für Regentage sind die Führungen durch die Artilleriefestungen Hanička, Bouda und Dobrošov bei Náchod, die Sýpka in Rokytnice, das Handwerksmuseum in Letohrad oder die Schlösser im Vorland (Opočno, Častolovice, Doudleby nad Orlicí).
Was kann man im Adlergebirge mit Kindern unternehmen? Setz auf kurze Strecken: Pěticestí, den Aussichtsturm auf der Vrchmezí vom Šerlišský mlýn aus, den Turm Anna auf dem Anenský vrch (kostenlos und ganzjährig offen) oder einen Sommertag am Stausee Pastviny. Auch die Lehrpfade kommen bei Kindern gut an.
Welche Skigebiete gibt es im Adlergebirge? Die wichtigsten Skigebiete auf der tschechischen Seite sind Říčky, Deštné v Orlických horách und Čenkovice im Süden. Auf der polnischen Seite liegt Zieleniec mit über 20 Liften. Der Kammweg gehört außerdem zu den schönsten Langlaufstrecken in Tschechien und wird regelmäßig gespurt.
Wie kommt man aus Deutschland ins Adlergebirge? Am einfachsten mit dem Auto: Nach Deštné sind es von Dresden rund 300 Kilometer, von Berlin und Leipzig gut 400 und von München etwa 550. Für tschechische Autobahnen brauchst du eine elektronische Vignette. Mit der Bahn fährst du meist über Prag nach Týniště nad Orlicí und weiter mit dem Regionalzug; in die Kammorte fahren Busse, aber selten.
Kann man im Adlergebirge Bunker besichtigen? Ja. Die Artilleriefestungen Hanička bei Rokytnice und Bouda bei Králíky sind Museen mit Führungen durch die unterirdischen Gänge, die Festung Dobrošov bei Náchod hat ein modernes Besucherzentrum. Dazu kommen viele kleinere Bunker am Lehrpfad Betonová hranice, im Landestor und auf dem Anenský vrch. Die Museen haben meist von Mai bis Oktober geöffnet.
Wie viele Tage sollte man für das Adlergebirge einplanen? Für die wichtigsten Ziele reicht ein langes Wochenende mit zwei bis drei Tagen. Einen Tag für den Kamm (Velká Deštná, Šerlich, Vrchmezí), einen für die Festungen und das Landestor und, wenn du bleibst, einen dritten für Neratov und die Schlösser im Vorland.
Wann ist die beste Reisezeit für das Adlergebirge? Zum Wandern Mai bis Oktober, die schönsten Farben gibt es im September und Oktober. Für Ski und Langlauf Januar bis März. Der Hochsommer ist am wärmsten, an den bekanntesten Stellen ist es am Wochenende aber voll.
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