Spanien · 23.8.2026

Jakobsweg Routen: 10 Wege nach Santiago im Vergleich

Značka s mušlí a šipkou ukazující cestu na Camino de Santiago

Aktualizováno 22.9.2026

Wer „Jakobsweg“ hört, denkt meistens an einen einzigen Weg quer durch Nordspanien. Tatsächlich laufen in Santiago de Compostela ein gutes Dutzend historischer Pilgerwege zusammen: aus Frankreich über die Pyrenäen, aus Portugal an der Atlantikküste entlang, aus Andalusien auf einer alten Römerstraße und an der Biskaya von Bucht zu Bucht. Die Jakobsweg Routen unterscheiden sich dabei viel stärker, als man vermutet. Die eine dauert gut einen Monat und führt über 764 Kilometer, die andere schaffst du ab Porto in zwölf Tagen. Beide enden vor derselben Kathedrale und bei derselben Jakobusfigur, die Pilger seit Jahrhunderten von hinten umarmen.Damit du nicht zwischen Foren und Etappenlisten verloren gehst, haben wir zehn Wege nach Santiago mit Kilometern, Etappen, Tagen und Schwierigkeit nebeneinandergestellt. Danach folgt alles, was über einen guten oder einen zähen Camino entscheidet: wie der Pilgerausweis funktioniert und welche Strecke du für die Compostela brauchst, was ein Pilgertag kostet, wie das Leben in den Herbergen abläuft, wie du aus Deutschland zum Startpunkt kommst und was wirklich in den Rucksack gehört.
Wegweiser mit Jakobsmuschel und Pfeil, der die Richtung auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zeigt
Markierung des Jakobswegs mit der Muschel des heiligen Jakobus. Foto: Pexels

Jakobsweg Routen auf einen Blick

  • Der Bekannteste: der Camino Francés ab Saint-Jean-Pied-de-Port, rund 764 km in 33 Etappen, plane 30 bis 35 Tage ein.
  • Die beliebteste kürzere Route: der Camino Portugués ab Porto, 241 km in 10 Etappen, also 11 bis 13 Tage zu Fuß.
  • Der schnellste Weg zur Compostela: der Camino Inglés ab Ferrol, rund 112 km in 5 bis 6 Tagen.
  • Für die Compostela musst du mindestens die letzten 100 km zu Fuß gehen (mit dem Rad 200 km) und Stempel im Pilgerausweis sammeln.
  • Budget: grob 30 bis 50 € pro Tag, sparsam kommst du auch mit rund 30 € aus.
  • Übernachten: öffentliche und kirchliche Herbergen (Albergues) für 6 bis 15 €, private für 15 bis 30 €.
  • Beste Zeit: April bis Juni sowie September und Oktober. Juli und August meidest du im Süden und auf dem Francés besser.
  • Markierung: gelber Pfeil und Jakobsmuschel, in Frankreich zusätzlich der GR 65 mit rot-weißen Streifen.

Wie der Jakobsweg markiert ist und warum du dich kaum verlaufen kannst

Zwei Zeichen reichen für den ganzen Weg, und nach der ersten Stunde kennst du beide. Der gelbe Pfeil ist das inoffizielle, aber zuverlässigste Zeichen. Er klebt an Hauswänden, Laternenmasten, Bordsteinen, Felsen und Leitplanken und zeigt immer Richtung Santiago. Die Jakobsmuschel ist das offizielle Symbol, du findest sie auf Betonsteinen am Wegrand, auf Keramikfliesen und als Messingplakette im Pflaster.Einen Haken hat die Sache. Der Pfeil ist eindeutig, die Muschel nicht: Je nach Region wird sie unterschiedlich gezeichnet, und mal zeigen die zusammenlaufenden Strahlen die Richtung an, mal ist es umgekehrt. Deshalb gilt unter Pilgern eine einfache Regel: Stehen Pfeil und Muschel nebeneinander, folgst du dem Pfeil.In Galicien stehen außerdem Wegsteine mit der Restentfernung bis Santiago, oft auf den Meter genau. In Sarria zeigen sie gut 111 Kilometer an. Das berühmteste Fotomotiv ist aber der Stein mit der 100 hinter Sarria, auf dem Weg nach Portomarín: Ab hier bist du innerhalb der Mindeststrecke für die Compostela.In Frankreich läuft das System anders. Die Via Podiensis folgt dem Fernwanderweg GR 65, der mit rot-weißen Balken markiert ist, die Muschel ist dort eher schmückendes Beiwerk. In Portugal musst du auf etwas anderes achten: Der Camino Portugués teilt sich stellenweise den Weg mit den Pilgerwegen nach Fátima, die in die Gegenrichtung führen. Die sind mit blauen Pfeilen markiert. Wenn du also Blau siehst, läufst du von Santiago weg, nicht hin.

Welche der Jakobsweg Routen passt zu dir?

Die Frage „welcher Jakobsweg ist der schönste?“ lässt sich nicht beantworten, die Frage „welcher passt zu mir?“ dagegen ziemlich gut. Entscheidend sind drei Dinge: wie viel Urlaub du hast, wie fit du bist und in welcher Jahreszeit du losgehst.
  • Du hast eine Woche. Dann kommen der Camino Inglés ab Ferrol, das letzte Stück des Camino Francés ab Sarria, der Camino Portugués ab Tui oder der Weg nach Fisterra infrage. Auf den ersten drei gehst du über 100 km und erfüllst damit die Voraussetzung für die Compostela.
  • Du hast zwei Wochen. Der Klassiker ist der Camino Portugués ab Porto, entweder auf der Inlandsroute oder an der Küste. In zwei Wochen passt auch der Camino Primitivo, er ist aber deutlich bergiger.
  • Du hast einen Monat oder mehr. Camino Francés, Camino del Norte, Vía de la Plata oder die französische Via Podiensis.
  • Du gehst zum ersten Mal und allein. Camino Francés oder Portugués. Dichtes Netz an Unterkünften, alle paar Kilometer eine Bar und immer Menschen um dich herum.
  • Du suchst Ruhe. Vía de la Plata, Camino Aragonés oder der Camino del Norte außerhalb der Hauptsaison.
Eine Zahl solltest du vorher kennen. Laut Pilgerbüro in Santiago kamen 2025 rund 530.000 Pilgerinnen und Pilger an, so viele wie nie zuvor, und knapp die Hälfte davon lief auf dem Camino Francés. Die beiden portugiesischen Wege zusammen brachten es auf gut ein Drittel. Aus Deutschland kamen dabei rund 24.000 Menschen, nach den USA und Italien die drittgrößte Gruppe aus dem Ausland. Auf diesen zwei Routen bist du also keinen Moment allein, während du auf der Vía de la Plata an manchen Tagen gerade fünf anderen Pilgern begegnest.Übrigens: Auch in Deutschland gibt es ein dichtes Netz an Jakobswegen, etwa von Franken an den Bodensee oder durch Westfalen und das Rheinland. Um die geht es hier nicht. Wir vergleichen die Wege, die dich in Spanien, Portugal und Frankreich bis nach Santiago bringen.

10 Jakobsweg Routen nach Santiago im Detail

Hier sind die zehn Wege, die wir für die wichtigsten halten. Auf einigen triffst du ständig andere Pilger, auf anderen bist du stundenlang allein. Wie voll es wird, hängt aber mindestens genauso stark davon ab, wann du gehst.

1. Camino Francés: der Klassiker, den die ganze Welt kennt

Das Wichtigste: Saint-Jean-Pied-de-Port (Frankreich) → Santiago de Compostela · rund 764 km in 33 Etappen · 30 bis 35 Tage · mittelschwer, mit einem sehr harten Tag gleich zu Beginn · Streckenwanderung, keine Runde · Höhepunkte: Alto del Perdón, Cruz de Ferro (etwa 1.500 m) und O Cebreiro (rund 1.300 m).
EtappenortKm ab StartNoch bis Santiago
Saint-Jean-Pied-de-Port0,0 km764 km
Roncesvalles24,2 km740 km
Pamplona66,0 km698 km
Logroño160,4 km603 km
Burgos281,3 km482 km
León459,2 km305 km
Ponferrada560,1 km204 km
O Cebreiro611,1 km153 km
Sarria649,5 km114 km
Santiago de Compostela763,7 km0 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Gleich der erste Tag ist der härteste der ganzen Reise. Von Saint-Jean-Pied-de-Port geht es über die Pyrenäen nach Roncesvalles, auf der sogenannten Route Napoléon sind das 24,2 km und über 1.200 Höhenmeter im Aufstieg. Im Winter ist diese Variante in der Regel gesperrt, bei Sturm und Nebel auch sonst, dann führt der Weg tiefer über Valcarlos und misst 23,4 km. Danach folgen Navarra und La Rioja: hügelig, grün, voller Weinberge und mit Städten wie Pamplona, Estella und Logroño.Hinter Burgos beginnt die Meseta, knapp 180 Kilometer Hochebene bis León. Flach, Getreidefelder, kaum Schatten und schnurgerade Wegstücke. Ein Teil der Pilger überspringt diesen Abschnitt mit dem Bus, andere erzählen hinterher, dass genau hier der Kopf frei wurde. Hinter León steigt das Gelände wieder an: Am Cruz de Ferro legst du der Tradition nach einen Stein ab, den du von zu Hause mitgebracht hast, dann geht es hinunter nach Ponferrada und ins Bierzo. Es folgt der Aufstieg nach O Cebreiro, der zweitschwerste Tag, mit 27,8 km und mehr als 1.000 Höhenmetern. Die letzten 150 km führen durch das wellige Galicien, und ab Sarria vervielfacht sich die Zahl der Menschen auf dem Weg schlagartig.Viele Deutsche kennen diesen Weg, ohne je dort gewesen zu sein: Hape Kerkeling ist ihn 2001 gegangen, sein Buch „Ich bin dann mal weg“ hat den Camino Francés hierzulande überhaupt erst populär gemacht.Anreise zum Start. Die kürzeste Luftlinie führt nach Biarritz, alternativ fliegst du nach Bordeaux oder Toulouse. Von dort geht es mit dem Zug nach Bayonne, von wo eine Regionalbahn nach Saint-Jean-Pied-de-Port mehrmals täglich fährt. Wer nicht fliegen will, kommt mit dem Zug über Paris nach Bayonne. Eine weitere Möglichkeit ist ein Flug nach Bilbao und der Bus nach Pamplona. Wer nur die letzten 114 km ab Sarria geht, fliegt nach Santiago und fährt von dort mit Bus oder Bahn nach Sarria.Essen, Wasser und Herbergen. Das dichteste Netz aller Routen. In jedem zweiten Dorf gibt es eine Bar mit Pilgermenü, eine öffentliche Herberge und meistens noch zwei private. Wasser füllst du an öffentlichen Brunnen auf. Nur auf der Meseta zwischen Carrión de los Condes und Calzadilla de la Cueza liegen 17 km ohne einen einzigen Ort, dort startest du mit voller Flasche.Sehenswert unterwegs: die Kathedrale von Burgos, die gotische Kathedrale von León mit ihren Glasfenstern, die Templerburg in Ponferrada, die Brücke von Puente la Reina, das Weinland La Rioja und das Bergdorf O Cebreiro mit seinen strohgedeckten Pallozas.Für wen: für den ersten Camino, für Alleingänger, die trotzdem nicht einsam sein wollen, und für alle, bei denen sich die Logistik von selbst erledigen soll. Unterkunft in Saint-Jean-Pied-de-Port finden →

2. Camino Portugués: der meistgesuchte Weg, ab Porto nach Santiago

Das Wichtigste: Porto → Santiago de Compostela · 241,4 km in 10 Etappen · 11 bis 13 Tage · leicht bis mittelschwer · ab Lissabon rund 598 km in 25 Etappen, ab Tui 115,8 km in 5 Etappen · Streckenwanderung.
EtappeLänge
Porto → Vilarinho26,5 km
Vilarinho → Barcelos28,1 km
Barcelos → Ponte de Lima34,5 km
Ponte de Lima → Rubiães17,4 km
Rubiães → Tui19,1 km
Tui → Redondela31,9 km
Redondela → Pontevedra19,8 km
Pontevedra → Caldas de Reis21,1 km
Caldas de Reis → Padrón18,6 km
Padrón → Santiago de Compostela24,4 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Der Auszug aus Porto ist der unschönste Teil der ganzen Route, weil du stundenlang durch Vororte und an Straßen entlangläufst. Wer sich das sparen will, fährt die ersten rund 20 km mit der Metro bis Vilar do Pinheiro. Ab Vilarinho wird es ländlich: Weinberge mit Vinho Verde, Maisfelder und die steinernen Speicher auf Stelzen, die hier Espigueiros heißen. Der härteste Tag ist Barcelos → Ponte de Lima, 34,5 km fast ohne Steigung, was für die Füße paradoxerweise anstrengender ist als ein Berg.Direkt hinter Ponte de Lima kommt der einzige richtige Anstieg der ganzen Route, der Pass Alto da Portela Grande bei Rubiães. Danach überquerst du den Minho auf der Brücke zwischen dem portugiesischen Valença und dem spanischen Tui, und damit beginnt der galicische Teil. Der ist hügelig, grün und in den letzten Tagen sehr belebt, weil in Redondela die Pilger vom Küstenweg dazustoßen.Anreise zum Start. Die einfachste aller Routen. Nach Porto gibt es Direktflüge aus mehreren deutschen Städten, unter anderem aus Berlin, Frankfurt, München, Düsseldorf und Köln/Bonn. Vom Flughafen fährt die Metro-Linie E in weniger als einer Stunde ins Zentrum. Wer nur die letzten 115 km ab Tui geht, fliegt ebenfalls nach Porto und nimmt dort den Zug nach Valença, über die Brücke geht es zu Fuß.Essen, Wasser und Herbergen. Im portugiesischen Teil gibt es weniger öffentliche Herbergen als in Spanien, dafür viele private für 15 bis 20 €. In Galicien übernimmt dann das öffentliche Herbergsnetz der Xunta, der galicischen Regionalregierung. Cafés und Bäckereien gibt es überall, und das Pilgermenü ist in Portugal oft günstiger als in Spanien.Sehenswert unterwegs: die mittelalterliche Brücke in Ponte de Lima, die Festung von Valença, die Altstadt von Pontevedra, die Kirche Santiaguiño in Padrón und die Kathedrale von Tui.Für wen: die beste Wahl für zwei Wochen Urlaub und für alle, die keine Berge wollen. Unterkunft in Porto finden →

3. Camino Portugués da Costa: der Küstenweg ab Porto

Das Wichtigste: Porto → Redondela an der Küste 187 km in 9 Etappen, danach auf der Inlandsroute weitere 83,9 km bis Santiago, zusammen rund 271 km · 12 bis 14 Tage · leicht, kaum Höhenmeter · Streckenwanderung.
EtappeLänge
Porto → Labruge24,5 km
Labruge → Póvoa de Varzim14,0 km
Póvoa de Varzim → Marinhas24,5 km
Marinhas → Viana do Castelo20,8 km
Viana do Castelo → Caminha26,8 km
Caminha → Porto Mougás23,5 km
Porto Mougás → A Ramallosa16,0 km
A Ramallosa → Vigo21,5 km
Vigo → Redondela15,4 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Aus Porto läufst du am Ufer des Douro bis zum Meer und dann nach Norden, oft auf Holzstegen über den Dünen. Die ersten fünf Tage hast du den Atlantik fast ständig im Blick, vorbei an den Fischerstädtchen Vila do Conde, Esposende und Viana do Castelo. In Caminha geht es per Boot über die Minho-Mündung nach A Guarda in Spanien. Die alte Autofähre liegt seit 2020 still, übergesetzt wird mit privaten Wassertaxis, die du am besten am Vortag reservierst. Bei starkem Wind fahren auch die nicht, dann bleibt der Umweg über die Brücke bei Valença.Der spanische Teil folgt der Küste der Rías Baixas über Baiona, wo 1493 die Karavelle Pinta mit der Nachricht von der Entdeckung Amerikas anlegte, und dann durch das industrielle Vigo nach Redondela. Dort trifft der Küstenweg auf die Inlandsroute, und die letzten vier Tage sind dieselben wie beim Camino Portugués.Es gibt noch eine dritte Ebene: die Senda Litoral, eine Variante, die sich wirklich von Strand zu Strand hangelt und sich immer wieder von der Hauptroute löst. Sie ist schöner, aber im Sand kommst du langsamer voran.Anreise zum Start: dieselbe wie bei der Inlandsroute, also Direktflug nach Porto.Essen, Wasser und Herbergen. Die Küste ist Urlaubsgebiet. Unterkünfte gibt es reichlich, im Sommer füllen sie sich aber auch mit ganz normalen Badeurlaubern. Hier lohnt sich eine Reservierung mehr als irgendwo sonst. Dafür isst du hier so gut wie auf keinem anderen Abschnitt des Camino, Sardinen und Meeresfrüchte direkt am Hafen.Sehenswert unterwegs: die Festung Santiago da Barra in Viana do Castelo, die Überfahrt über den Minho, Baiona mit dem Nachbau der Karavelle, die Cíes-Inseln in Sichtweite von Vigo.Für wen: für Meermenschen, für Paare und für alle, denen das Binnenland zu eintönig ist.

4. Camino del Norte: an der Küste der Biskaya

Das Wichtigste: Irún → Santiago de Compostela · rund 815 bis 820 km in etwa 34 Etappen · 32 bis 38 Tage · anspruchsvoll, weil es zwischen den Buchten ständig hoch und runter geht · Streckenwanderung · seit 2015 UNESCO-Welterbe.
EtappenortKm ab Irún (ungefähr)
Irún0 km
San Sebastián25 km
Bilbao147 km
Santander273 km
Gijón480 km
Avilés505 km
Ribadeo (Beginn Galiciens)rund 630 km, noch etwa 185 km bis Santiago
Santiago de Compostela815–820 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Die Route beginnt an der französisch-spanischen Grenze und hält sich an die Küste des Baskenlands, Kantabriens und Asturiens. Rechne nicht mit flachen Strandspaziergängen: Der Weg klettert immer wieder auf die Klippen und fällt in die nächste Bucht ab, die täglichen Höhenmeter liegen deshalb oft über denen des Camino Francés, obwohl du am Meer entlanggehst. Dazu kommen lange Etappen, mehrfach über 30 km, zum Beispiel Santander → Santillana del Mar mit 36,3 km.Hinter Ribadeo biegt der Weg ins galicische Binnenland ab und trifft in Arzúa für die letzten knapp 40 km auf den Camino Francés. Wer möchte, kann in Asturien vom Norte auf den Camino Primitivo wechseln, meistens hinter Villaviciosa.Anreise zum Start. Nach Bilbao gibt es Direktflüge unter anderem aus Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Stuttgart, im Sommer auch aus Hamburg. Von Bilbao kommst du mit Bus oder Bahn in gut anderthalb Stunden nach Irún. Wer erst in San Sebastián startet, spart sich den ersten Tag durch Vororte.Essen, Wasser und Herbergen. Das Herbergsnetz ist dünner als auf dem Francés und im Sommer schnell voll. Dafür erwartet dich die beste Küche des ganzen Camino: Pintxos-Bars in San Sebastián und asturische Sidrerías, in denen der Cider aus großer Höhe ins Glas gegossen wird.Sehenswert unterwegs: der Strand La Concha in San Sebastián, das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Steilküste bei Comillas, das Museum der Höhle von Altamira bei Santillana del Mar, auf einem Abstecher die Kathedrale von Oviedo.Für wen: für erfahrene und trainierte Pilger, die schon einmal einen Camino gegangen sind und jetzt weniger Menschen und mehr Landschaft suchen.Breiter Sandstrand in einer Bucht mit einer Stadt im Hintergrund

5. Camino Primitivo: der älteste und bergigste Weg

Das Wichtigste: Oviedo → Melide 253,2 km in 11 Etappen, danach weitere rund 53 km auf dem Camino Francés, zusammen gut 305 km · 13 bis 15 Tage · anspruchsvoll · Streckenwanderung · seit 2015 UNESCO-Welterbe. Andere Quellen nennen bis zu 320 km, je nach gewählten Varianten.
EtappeLänge
Oviedo → Grado25,2 km
Grado → Salas22,3 km
Salas → Tineo19,8 km
Tineo → Borres15,9 km
Borres → Berducedo über Hospitales24,1 km
Berducedo → Grandas de Salime20,4 km
Grandas de Salime → A Fonsagrada25,2 km
A Fonsagrada → O Cádavo24,3 km
O Cádavo → Lugo29,5 km
Lugo → A Ponte Ferreira26,5 km
A Ponte Ferreira → Melide20,0 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Das ist historisch der erste Pilgerweg nach Santiago, den der Überlieferung nach König Alfons II. im 9. Jahrhundert gegangen ist. Er führt durch das Binnenland Asturiens und durch die Berge, und das spürst du. Der Schlüsseltag ist der fünfte, die Ruta de los Hospitales: 24,1 km über einen kahlen Kamm auf rund 1.100 Metern, ohne Dorf, ohne Wasser und ohne Unterstand. Bei Nebel und Regen geht man hier nicht hoch, dafür gibt es die tiefer gelegene Ausweichroute über Pola de Allande mit 28,6 km.Hinter Grandas de Salime kommst du nach Galicien und steigst über A Fonsagrada nach Lugo ab, einer Stadt mit vollständig erhaltener römischer Stadtmauer. Von dort sind es nur noch zwei Tage bis Melide, wo der Primitivo in den Camino Francés mündet.Anreise zum Start. Nach Asturien fliegt im Sommer Lufthansa direkt ab Frankfurt, sonst geht es mit Umstieg in Madrid oder Barcelona zum Flughafen Asturias. Alternativ fliegst du nach Bilbao und fährst rund vier Stunden mit dem Bus weiter.Essen, Wasser und Herbergen. Das Herbergsnetz ist ordentlich, die Kapazitäten aber klein, im Sommer brechen die Leute deshalb früh auf. Für die Ruta de los Hospitales nimmst du zwei Liter Wasser und Proviant für den ganzen Tag mit, zwischen Borres und Berducedo gibt es nichts.Sehenswert unterwegs: die vorromanischen Kirchen in Oviedo, der Stausee von Grandas de Salime, die Römermauer von Lugo, das Volkskundemuseum in Grandas.Für wen: für trainierte Pilger, die einen kürzeren, aber echten Bergweg suchen. Unterkunft in Oviedo finden →

6. Camino Inglés: der kürzeste Weg zur Compostela

Das Wichtigste: Ferrol → Santiago de Compostela · 111,5 km in 5 Etappen · 5 bis 6 Tage · mittelschwer, hügeliges Galicien · Streckenwanderung · die Variante ab A Coruña misst 72,4 km.
EtappeLänge
Ferrol → Pontedeume27,7 km
Pontedeume → Betanzos19,7 km
Betanzos → Hospital de Bruma24,0 km
Hospital de Bruma → Sigüeiro24,4 km
Sigüeiro → Santiago de Compostela15,7 km
Variante: A Coruña → Hospital de Bruma32,3 km in 2 Etappen
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Früher kamen hier Pilger per Schiff aus England, Irland, Flandern und anderen Teilen Nordeuropas an und gingen von der Küste aus zu Fuß weiter. Der Weg beginnt im Hafen von Ferrol, umrundet die Bucht und steigt über Pontedeume mit seiner langen mittelalterlichen Brücke und Betanzos mit seiner Altstadt ins Landesinnere. Der dritte Tag ist der schwerste, denn bis Hospital de Bruma, wo sich beide Varianten treffen, sind rund 500 Höhenmeter zu schaffen. Die letzten zwei Tage führen durch Eukalyptuswälder und die Vororte von Santiago.Wichtig bei der Variante ab A Coruña: Sie misst nur 72,4 km und reicht allein nicht für die 100-Kilometer-Grenze. Wer die Compostela will, startet in Ferrol.Anreise zum Start. Nach Santiago de Compostela fliegt Lufthansa im Sommer direkt ab Frankfurt, sonst fliegst du mit Umstieg in Madrid oder Barcelona. Von Santiago nach Ferrol brauchst du mit Bus oder Bahn rund zwei Stunden. Praktisch: Lass dein übriges Gepäck in Santiago in der Unterkunft, in die du fünf Tage später zurückkommst.Essen, Wasser und Herbergen. Es gibt genau so viele Unterkünfte, wie du brauchst, aber mit wenig Betten. In Hospital de Bruma gibt es praktisch nur eine Herberge, diese Nacht solltest du vorab klären. Bars findest du in jedem größeren Ort.Sehenswert unterwegs: Hafen und Marinearsenal von Ferrol, Brücke und Andrade-Turm in Pontedeume, die Altstadt von Betanzos, Ausblicke auf die Buchten der Rías Altas.Für wen: für eine Urlaubswoche, als erster Vorgeschmack auf den Camino und für alle, die die Compostela ohne einen Monat Urlaub wollen. Unterkunft in Ferrol finden →

7. Vía de la Plata: der längste und einsamste Weg

Das Wichtigste: Sevilla → Santiago de Compostela · je nach Variante 900 bis 1.000 km in etwa 38 Etappen · 38 bis 45 Tage · anspruchsvoll, eher wegen der Entfernungen und der Hitze als wegen der Berge · Streckenwanderung.
AbschnittLänge
Sevilla → Mérida208,7 km (9 Etappen)
Mérida → Salamanca290,1 km (10 Etappen)
Salamanca → Granja de Moreruela109,8 km (4 Etappen)
Granja de Moreruela → Ourense (Camino Sanabrés)209,3 km (8 Etappen)
Ourense → Santiago de Compostela82,5 km (4 Etappen)
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Die Route folgt der alten Römerstraße von Mérida nach Astorga. Sie führt durch Andalusien, die Extremadura und Kastilien, also durch Landschaften, in denen die Orte weit auseinanderliegen und Etappen über 30 km keine Ausnahme sind. Schon am dritten Tag, zwischen Castilblanco de los Arroyos und Almadén de la Plata, gehst du 28 km praktisch ohne Versorgung, und die folgende Etappe nach Monesterio misst 33,6 km.In Granja de Moreruela teilt sich der Weg. Auf dem Camino Sanabrés gehst du über Ourense direkt nach Santiago. Wer weiter nach Norden läuft, erreicht Astorga und trifft dort auf den Camino Francés, hat dann aber die letzten rund 260 km Gedränge vor sich. Die meisten entscheiden sich für den Sanabrés.Wann gehen. Das ist die einzige Route, bei der die Wahl des Monats wirklich alles entscheidet. Im Juli und August hat es hier oft über 40 Grad, und Schatten gibt es kaum. Ideal sind März bis Mai, eventuell noch Oktober.Anreise zum Start. Nach Sevilla gibt es Direktflüge aus vielen deutschen Städten, darunter Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Köln/Bonn. Was die Anreise angeht, ist das eine der einfachsten Routen überhaupt.Essen, Wasser und Herbergen. Das dünnste Netz aller Wege in diesem Vergleich. Die Herbergen sind meist kommunal, günstig und manchmal leer. Wasser ist das zentrale Thema: Rechne mit zwei bis drei Litern am Tag und fülle bei jeder Gelegenheit nach.Sehenswert unterwegs: das römische Theater und das Aquädukt in Mérida, Cáceres mit seiner mittelalterlichen Altstadt, Salamanca mit Universität und Plaza Mayor, die Klosterruine bei Granja de Moreruela, die Thermalquellen von Ourense.Für wen: für erfahrene Pilger, die das Gedränge schon kennen und das Gegenteil suchen. Kein Weg für den ersten Camino.

8. Camino Finisterre und Muxía: die Verlängerung ans Meer

Das Wichtigste: Santiago de Compostela → Fisterra (und eventuell Muxía) · 89,4 km bis zum Leuchtturm von Fisterra, mit der Runde über Muxía rund 116,5 km · 3 bis 5 Tage · mittelschwer · der einzige Weg, der aus Santiago hinaus- statt hineinführt.
EtappeLänge
Santiago de Compostela → Negreira20,6 km
Negreira → Olveiroa33,6 km
Olveiroa → Corcubión21,4 km
Corcubión → Fisterra10,6 km
Fisterra → Leuchtturm Cabo Fisterra3,2 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Von Santiago geht es nach Westen durch das hügelige galicische Hinterland. Der zweite Tag ist der längste, denn zwischen Negreira und Olveiroa liegen 33,6 km mit wenig Versorgung. Hinter Olveiroa teilt sich der Weg: entweder nach Fisterra oder nach Muxía. Die meisten gehen zuerst nach Fisterra, übernachten dort und wandern am nächsten Tag die rund 30 km an der Küste entlang nach Muxía.Am Ziel wartet der Leuchtturm am Cabo Fisterra, das im Mittelalter als Ende der bekannten Welt galt, und ein Wegstein mit 0,00 km. Das traditionelle Verbrennen der Wanderschuhe am Kap ist heute verboten, weil es immer wieder Brände gab.Urkunden. An beiden Zielen gibt es eigene Bescheinigungen: die Fisterrana in Fisterra und die Muxiana in Muxía.Anreise. Zum Start musst du nicht erst hinkommen, du gehst direkt in Santiago los. Zurück fahren von Fisterra und Muxía Busse nach Santiago, die Fahrt dauert etwa zwei bis drei Stunden.Sehenswert unterwegs: die Brücke Ponte Maceira, der Wasserfall von Ézaro, wo der Fluss direkt ins Meer stürzt, die Kirche Virxe da Barca in Muxía und die Costa da Morte.Für wen: als Zugabe zu jeder längeren Route oder als eigener Kurztrip. Für die Compostela zählt der Weg nicht, weil er in die Gegenrichtung führt.

9. Via Podiensis: der französische Weg ab Le Puy

Das Wichtigste: Le Puy-en-Velay → Saint-Jean-Pied-de-Port · rund 738 km in 29 Etappen · 30 bis 34 Tage · mittelschwer bis anspruchsvoll · markiert als Fernwanderweg GR 65 mit rot-weißen Streifen.
EtappenortLage auf der Route
Le Puy-en-VelayStart, Auvergne
Conquesnach der 9. Etappe
Cahorsnach der 14. Etappe
Moissacnach der 17. Etappe
Saint-Jean-Pied-de-Port29. Etappe, Anschluss an den Camino Francés
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Die erste belegte Pilgerreise auf diesem Weg stammt aus den Jahren 950 und 951, als Bischof Godescalc von Le Puy nach Santiago aufbrach. Die Route führt durch die vulkanische Auvergne, über die Hochebene des Aubrac, durch das Tal des Lot und das landwirtschaftlich geprägte Südwestfrankreich. Das Gelände ist hügeliger, als man erwartet, und die Etappen laufen viel über Feld- und Waldwege.Übernachten ist hier eine andere Welt als in Spanien. Statt Albergues gibt es Gîtes d’étape und Chambres d’hôtes, meist mit Reservierung und oft in Halbpension, also Übernachtung mit Abendessen und Frühstück. Das ist teurer als eine spanische Herberge, rechne eher mit 35 bis 50 € pro Person mit Essen. Dafür sitzt du in den Gîtes abends mit allen an einem Tisch, und die Stimmung ist oft besser als in einem Schlafsaal mit sechzig Betten.Anreise zum Start. Nach Le Puy-en-Velay kommst du mit dem Zug über Lyon und Saint-Étienne. Nach Lyon gibt es Direktflüge unter anderem aus Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin und Hamburg, und mit der Bahn ist Lyon aus Süd- und Westdeutschland ebenfalls gut erreichbar.Sehenswert unterwegs: die Kathedrale und die Marienstatue auf dem Felsen in Le Puy, die Abteikirche Sainte-Foy in Conques, die Brücke Valentré in Cahors, die Abtei von Moissac mit ihrem romanischen Portal. Mehrere dieser Orte gehören zum UNESCO-Welterbe.Für wen: für alle, die den Camino Francés schon kennen und ihn einmal ganz von vorne gehen wollen, und für Liebhaber des französischen Landlebens und der Küche.

10. Camino Aragonés: der stille Einstieg nach Spanien

Das Wichtigste: Somport (Grenze Frankreich–Spanien) → Puente la Reina · 162,2 km in 6 Etappen (mit dem Abstecher nach San Juan de la Peña rund 176 km) · 7 bis 9 Tage · mittelschwer, auf dem ganzen Abschnitt geht es vom Pyrenäenpass bergab · Streckenwanderung mit Anschluss an den Camino Francés.
EtappeLänge
Somport → Jaca30,2 km
Jaca → Arrés24,8 km (über San Juan de la Peña 38,6 km)
Arrés → Ruesta27,4 km
Ruesta → Sangüesa22,0 km
Sangüesa → Monreal27,2 km
Monreal → Puente la Reina30,6 km
Der Weg Abschnitt für Abschnitt. Die Route ist die spanische Fortsetzung der französischen Via Tolosana aus Arles und beginnt am Pyrenäenpass Somport auf rund 1.630 Metern. Am ersten Tag steigst du nach Jaca ab, einer Stadt mit romanischer Kathedrale. Danach führt der Weg durch das Tal des Río Aragón, am Stausee von Yesa vorbei und durch das Dorf Ruesta, das für den Bau des Stausees geräumt wurde und bis heute weitgehend verlassen ist. In Puente la Reina trifft der Aragonés auf die Hauptroute, die aus Roncesvalles kommt.Anreise zum Start. Nach Somport fährt ein Bus ab Jaca, nach Jaca kommst du mit Zug oder Bus aus Zaragoza. Nach Zaragoza geht es aus Deutschland in der Regel mit Umstieg in Madrid oder Barcelona, von Barcelona auch bequem mit dem Schnellzug.Essen, Wasser und Herbergen. Ein dünnes, aber funktionierendes Netz. Die Etappen sind lang und die Dörfer wenige, prüfe also vorher, was geöffnet hat, besonders außerhalb der Saison.Sehenswert unterwegs: die Kathedrale von Jaca, das unter einen Felsüberhang gebaute Kloster San Juan de la Peña, die Kirche Santa María la Real in Sangüesa mit ihrem romanischen Portal, die Brücke über den Arga in Puente la Reina.Für wen: als ruhige Einstiegswoche vor dem Camino Francés oder für alle, die die Pyrenäen an einer anderen Stelle als bei Roncesvalles überqueren wollen.
💡 Tipp: Plane die Etappen nicht nach dem Buch oder der App, sondern nach deinen Füßen. Die meisten Verletzungen auf dem Camino entstehen in der ersten Woche, weil Leute einen fremden Etappenplan einhalten wollen. Geh die ersten fünf Tage ruhig nur 15 bis 18 km am Tag, dein Körper gewöhnt sich daran. Danach steigerst du.

Jakobsweg Routen im Vergleich: die Übersichtstabelle

RouteStartLängeTageSchwierigkeit
Camino FrancésSaint-Jean-Pied-de-Port764 km30–35mittel
Camino PortuguésPorto241 km11–13leicht bis mittel
Camino Portugués da CostaPorto271 km12–14leicht
Camino del NorteIrún815–820 km32–38schwer
Camino PrimitivoOviedo305–320 km13–15schwer
Camino InglésFerrol112 km5–6mittel
Vía de la PlataSevilla900–1.000 km38–45schwer
Camino Finisterre und MuxíaSantiago de Compostela89–116 km3–5mittel
Via Podiensis (Le Puy)Le Puy-en-Velay738 km30–34mittel bis schwer
Camino AragonésSomport162 km7–9mittel

Pilgerausweis und Compostela: wie viele Kilometer du brauchst

Der Pilgerausweis, spanisch Credencial, ist ein gefaltetes Heft, in dem du unterwegs Stempel sammelst. Er hat zwei Aufgaben: Er öffnet dir die Pilgerherbergen zum Pilgerpreis, und er belegt, dass du den Weg tatsächlich gegangen bist. Stempel bekommst du in Unterkünften, Kirchen, Bars, Rathäusern und Touristeninformationen.Ausgestellt wird er nur von kirchlichen Einrichtungen und anerkannten Jakobusvereinigungen. In Deutschland verschickt ihn zum Beispiel die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft in Aachen, den Antrag stellst du online. Ein Pflichtentgelt gibt es nicht, die Gesellschaft bittet aber um eine Spende von 10 €. Plane bis zu drei Wochen Bearbeitungszeit ein und bestelle ihn nicht auf den letzten Drücker. Auch viele regionale Jakobusgesellschaften und manche Pfarreien geben Pilgerausweise aus. Vor Ort bekommst du ihn in Pfarreien, Pilgerbüros und vielen Herbergen am Startpunkt für wenige Euro.Die Voraussetzungen für die Compostela, die lateinische Pilgerurkunde der Kathedrale von Santiago, sind laut Pilgerbüro diese:
  • Zu Fuß oder zu Pferd: mindestens 100 Kilometer auf einer anerkannten Route in Richtung Santiago, die letzte Etappe muss in Santiago enden.
  • Mit dem Fahrrad: mindestens 200 Kilometer, E-Bikes zählen nicht.
  • Wer außerhalb Spaniens startet und auf einer anerkannten Route unterwegs ist, braucht mindestens 70 Kilometer auf spanischem Boden. Praktisch heißt das: Wer im portugiesischen Valença losgeht, erfüllt die Bedingung.
  • Stempel: Mindestens zwei Stempel pro Tag mit Datum, sonst riskierst du, dass dir das Büro den Weg nicht anerkennt.
Die Compostela holst du im Pilgerbüro (Oficina de Acogida al Peregrino) in der Rúa Carretas 33 ab. Geöffnet ist täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr, geschlossen nur am 25. Dezember und am 1. Januar. Vorher registrierst du dich über den QR-Code auf deinem Pilgerausweis und ziehst eine Wartenummer. In der Hochsaison bildet sich eine Schlange, und das Büro weist selbst darauf hin, dass es an Spitzentagen die Ausgabe am selben Tag nicht garantieren kann. Wer zusätzlich ein Dokument mit Startort und zurückgelegter Strecke möchte, kauft für 3 € die Entfernungsurkunde (Certificado de distancia).Übrigens bekommen auch Pilger eine Compostela, die mit dem Segelboot kommen, sie müssen dafür mindestens 100 Seemeilen segeln und vom Hafen zu Fuß nach Santiago gehen. Und noch etwas Praktisches: Du kannst den Camino über mehrere Jahre in Abschnitten gehen, solange die Abschnitte zeitlich und räumlich aneinander anschließen. Gehst du nur die Mindeststrecke, lässt du den Ausweis am Ende und am Beginn jedes Abschnitts mit Datum stempeln. Von Mitte Mai bis Ende Oktober gibt es in Santiago außerdem eine deutschsprachige Pilgerseelsorge mit täglicher Pilgermesse auf Deutsch in der Kirche San Fructuoso am Obradoiro-Platz.Felsgrat im Nebel, am Wegrand blühende Sträucher im Abendlicht

Jakobsweg Kosten: was ein Tag und eine ganze Route kosten

Der Camino gehört zu den günstigsten Arten, einen Monat im Ausland zu verbringen. Entscheidend ist vor allem, ob du im Schlafsaal oder im Zimmer schläfst und ob du selbst kochst oder in Bars isst. Alle Angaben sind Richtwerte und schwanken je nach Route und Saison.
PostenPreis pro TagWorauf du achten solltest
Öffentliche oder kirchliche Herberge6–15 €meist nicht reservierbar, Pilgerausweis nötig
Private Herberge15–30 €oft vorab buchbar, kleinere Zimmer
Pension oder Hotelzimmer25–60 €Preis gilt pro Zimmer, zu zweit günstiger
Pilgermenü (menú del peregrino)rund 15 €meist mehrere Gänge, Brot und Getränk inklusive
Frühstück und Kaffee in der Bar3–6 €viele Bars öffnen früh für Pilger
Einkaufen und selbst kochen8–12 €viele Herbergen haben eine Küche
Sparsamer Tag insgesamt30–35 €Schlafsaal und selbst gekocht
Komfortabler Tag insgesamt45–60 €ab und zu ein Zimmer, abends Menü
Und was kostet eine ganze Route?
  • Camino Inglés (6 Tage): rund 200 bis 300 € vor Ort.
  • Camino Portugués ab Porto (13 Tage): rund 400 bis 650 €.
  • Camino Primitivo (14 Tage): rund 450 bis 700 €.
  • Camino Francés (33 Tage): rund 1.000 bis 1.800 €.
  • Vía de la Plata (42 Tage): rund 1.200 bis 2.000 €.
Dazu kommt die Anreise aus Deutschland. Am einfachsten und meist am günstigsten sind Porto, Bilbao und Sevilla, wohin es Direktflüge aus mehreren deutschen Städten gibt. Aufwendiger sind Saint-Jean-Pied-de-Port und Oviedo, wo du meist umsteigst. Die Preise hängen stark vom Termin und vom Buchungszeitpunkt ab, vergleiche deshalb früh und denk daran, dass Start und Ziel fast nie am selben Ort liegen, du brauchst also meist zwei einfache Flüge.
💡 Tipp: Der größte versteckte Posten im Budget sind nicht die Betten, sondern Kaffee und Bier in den Bars. Drei Stopps am Tag zu je 3 € machen im Monat fast 300 €. Wenn du morgens in der Herberge selbst Kaffee kochst und nur einmal am Tag in eine Bar gehst, sparst du auf dem ganzen Camino Francés oft mehr, als dich der Flug gekostet hat.

Übernachten in Albergues: Arten, Preise und Reservierung

Eine Albergue ist eine Pilgerherberge, meistens ein Stockbett in einem Raum für 4 bis 60 Personen, mit Gemeinschaftsduschen, kleiner Küche und Mikrowelle. Ohne Pilgerausweis kommst du in die meisten nicht hinein.
  • Municipales und öffentliche Herbergen der Xunta: die günstigste Variante, rund 6 bis 15 €. Reservieren kannst du hier nicht, es gilt: Wer zuerst kommt, bekommt ein Bett. Meistens darfst du nur eine Nacht bleiben und musst morgens spätestens um acht los.
  • Parroquiales und Donativo-Herbergen: kirchliche Herbergen, in denen du so viel gibst, wie du kannst. Üblich sind etwa 10 € für die Nacht und rund 5 € für das gemeinsame Abendessen. Nichts zu geben ist kein Brauch, auch wenn viele das Wort „Spende“ falsch verstehen.
  • Private Herbergen: 15 bis 30 €, bessere Ausstattung, kleinere Zimmer, oft Waschmaschine und Trockner. Reservierungen sind möglich, in der Saison ein entscheidender Vorteil.
  • Pensiones, Hostales und Hotels: 25 bis 60 € für ein Doppelzimmer. Einmal pro Woche lohnt sich so eine Nacht, für Schlaf ohne Schnarchkonzert und frisch gewaschene Sachen.
Wann reservieren? Auf dem Camino Francés und dem Portugués musst du außerhalb der Saison nicht reservieren. Im Juli und August und auf den letzten 100 km ab Sarria oder Tui empfehlen wir es dagegen, weil die Betten dort schon gegen Mittag weg sind. Auf dem Camino del Norte, dem Primitivo und der Vía de la Plata gibt es generell weniger Plätze, dort lohnt sich eine Reservierung fast immer.Wenn du am Ziel lieber in einem Zimmer als im Stockbett schlafen willst, schau dir die Unterkünfte in Santiago de Compostela an →. Die Preise in Santiago steigen vor allem rund um den 25. Juli, den Festtag des heiligen Jakobus.Auf dem letzten Stück des Camino Francés ist Sarria der beste Ausgangspunkt, hier starten sehr viele Pilger. Unterkunft in Sarria finden →

Anreise aus Deutschland zum Startpunkt

Start der RouteNächster FlughafenWeiter zum Start
Saint-Jean-Pied-de-PortBiarritz, Bordeaux, Toulouse, BilbaoZug nach Bayonne, dann Regionalbahn nach Saint-Jean
PortoPorto (Direktflüge aus Deutschland)Metro-Linie E ins Zentrum
TuiPortoZug nach Valença, zu Fuß über die Brücke
IrúnBilbao (Direktflüge aus Deutschland)Bus oder Bahn, gut anderthalb Stunden
OviedoAsturias (im Sommer direkt ab Frankfurt, sonst über Madrid oder Barcelona)Bus vom Flughafen, etwa 45 Minuten
FerrolSantiago de Compostela (im Sommer direkt ab Frankfurt)Bus oder Bahn, etwa 2 Stunden
SarriaSantiago de CompostelaBahn oder Bus, etwa 2 Stunden
SevillaSevilla (Direktflüge aus Deutschland)Bus vom Flughafen ins Zentrum
Le Puy-en-VelayLyonZug über Saint-Étienne
SomportMadrid oder BarcelonaZug nach Zaragoza, Bus oder Bahn nach Jaca und weiter nach Somport
Direkt aus Deutschland kommst du vor allem nach Porto, Bilbao, Sevilla, Bordeaux und Lyon, dazu gibt es Verbindungen nach Madrid, Barcelona und Lissabon. Nach Porto fliegen unter anderem Maschinen ab Berlin, Frankfurt, München, Düsseldorf und Köln/Bonn, nach Bilbao ab Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Stuttgart. Nach Santiago de Compostela, Asturias und Biarritz gibt es im Sommer Direktflüge ab Frankfurt, sonst fliegst du mit einem Umstieg. Flugpläne ändern sich von Saison zu Saison, prüf deshalb vor der Buchung, was gerade angeboten wird. Wer lieber Bahn fährt, erreicht Bayonne und damit den Camino Francés über Paris.Rückreise. Von Santiago fliegst du direkt nach Madrid, Barcelona und in einige europäische Städte, im Sommer auch nach Frankfurt. Wer in Fisterra oder Muxía endet, fährt erst mit dem Bus nach Santiago zurück. Plane den Rückflug nicht zu knapp: Am letzten Tag kommst du fast immer später in Santiago an, als du denkst.

Rucksack, Ausrüstung und Gepäcktransport

Die goldene Regel lautet: Der Rucksack wiegt höchstens ein Zehntel deines Körpergewichts, besser weniger. Bei 70 Kilo sind das sieben Kilo samt Wasser. Jedes Kilo zu viel spürst du nach zehn Tagen in Knien und Schultern.
  • Rucksack mit 30 bis 40 Litern und gutem Hüftgurt. Mehr Volumen verführt nur dazu, es auch zu füllen.
  • Eingelaufene Schuhe. Leichte Trailschuhe reichen für den Francés, den Portugués und den Inglés. Auf dem Norte, dem Primitivo und in den Bergen sind knöchelhohe Schuhe sinnvoll.
  • Zwei Paar Socken, zwei Shirts, zwei Hosen. Abends wäschst du, das zweite Set trocknet.
  • Schlafsack oder Inlett. Decken gibt es in den Herbergen oft, aber nicht immer. Im Sommer reicht ein leichtes Inlett.
  • Blasenpflaster und Tape gegen Blasen, der häufigste Grund, warum Leute den Camino abbrechen.
  • Ohrstöpsel und Schlafmaske. In einem Schlafsaal mit sechzig Betten ist das kein Luxus, sondern Pflicht.
  • Wanderstöcke. Sie schonen beim Abstieg die Knie, vor allem auf dem Primitivo und dem Norte.
  • Dokumente: Personalausweis oder Reisepass, Europäische Krankenversicherungskarte (bei gesetzlich Versicherten meist auf der Rückseite der Gesundheitskarte), Pilgerausweis und eine Auslandsreisekrankenversicherung.
Gepäcktransport. Wenn Rücken oder Knie streiken, musst du nicht aufgeben. Die spanische Post Correos bietet mit Paq Mochila einen Service an, der deinen Rucksack von einer Unterkunft zur nächsten bringt. Die Bedingungen: höchstens 15 kg pro Gepäckstück, höchstens 60 km zwischen zwei Orten, buchen musst du bis 20:00 Uhr am Vortag. Der Rucksack muss vor 8:00 Uhr an der Rezeption stehen und ist bis 14:30 Uhr am Ziel. Bezahlen kannst du mit Karte, per PayPal oder in einer Postfiliale, stornieren bis zum Tag vor dem Start kostenlos.Der Service deckt die Hauptrouten ab, darunter den Camino Francés ab Roncesvalles, den Portugués ab Porto, den Primitivo ab Oviedo und den Norte ab Irún. Außerhalb der Hauptsaison schrumpft das Angebot aber: Vom 1. November bis Mitte März fährt Paq Mochila nur noch auf den Abschnitten Sarria–Santiago und Tui–Santiago. Außer Correos gibt es auf den einzelnen Routen auch private Gepäckdienste, den Preis zeigt dir jeweils das Buchungsformular für deinen Abschnitt an.

Wann du gehen solltest und was du vermeiden solltest

  • April bis Juni: die beste Mischung aus Wetter und Andrang. Grüne Landschaft, angenehme Temperaturen, alles geöffnet.
  • September und Oktober: das zweitbeste Zeitfenster. Im Norden regnet es schon mehr, dafür ist es ruhig, und es ist Weinlese.
  • Juli und August: die meisten Menschen und die größte Hitze. Auf der Vía de la Plata und in Kastilien über 40 Grad, auf dem Francés Schlangen um die Betten. Wer im Sommer gehen muss, startet um vier Uhr morgens.
  • November bis März: Ein Teil der Herbergen schließt, die Route Napoléon über die Pyrenäen ist gesperrt, und die Hospitales-Variante auf dem Primitivo ist im Nebel gefährlich. Dafür ist der Camino fast leer.
Was du vermeiden solltest: Etappen nach einem fremden Plan, neue Schuhe, einen Rucksack über zehn Kilo, Mittagshitze auf der Meseta und den Versuch, die ersten fünf Tage genauso lang zu gehen wie die letzten. Und wenn du im Juli oder August unterwegs bist, rechne nicht damit, um fünf Uhr nachmittags noch ein freies Bett zu finden.

Jakobsweg Karte und Apps

Eine Papierkarte brauchst du auf dem Camino nicht, die Markierung ist dichter als auf jedem anderen Weitwanderweg in Europa. Was dagegen hilft, ist ein Überblick über Etappen und Unterkünfte. Am nützlichsten ist die spanische Seite Gronze mit allen Routen nach Etappen, Höhenprofilen und Herbergslisten samt Preisen, dazu das offizielle Portal der Xunta caminodesantiago.gal mit dem Netz der öffentlichen Herbergen in Galicien.Für die Offline-Navigation eignen sich komoot, OsmAnd oder Mapy.com, dort sind die Hauptrouten als markierte Wege eingezeichnet. Für die Etappenplanung empfehlen wir eher eine einfache Tabelle im Handy als eine starre App, denn umwerfen wirst du deinen Plan ohnehin schon in der ersten Woche.

Wohin als Nächstes

Häufige Fragen zu den Jakobsweg Routen

Welcher Jakobsweg ist für Anfänger geeignet? Für den ersten Camino eignen sich der Camino Francés, wenn du einen Monat hast, und der Camino Portugués ab Porto, wenn du zwei Wochen hast. Beide haben ein dichtes Netz an Herbergen, Markierungen an jeder Ecke und genug Menschen um dich herum, sodass du nie ohne Hilfe dastehst. Wer nur eine Woche hat, kann den Camino Inglés ab Ferrol gehen, der rund 112 km misst und für die Compostela reicht.Wie viele Kilometer braucht man für die Compostela? Zu Fuß oder zu Pferd musst du mindestens 100 Kilometer auf einer anerkannten Route in Richtung Santiago gehen, mit dem Fahrrad 200 Kilometer. Wer außerhalb Spaniens startet, braucht mindestens 70 Kilometer auf spanischem Boden. Im Pilgerausweis brauchst du mindestens zwei Stempel pro Tag mit Datum.Was kostet der Jakobsweg pro Tag? Sparsam kommst du mit 30 bis 35 € am Tag aus, komfortabel mit 45 bis 60 €. Der ganze Camino Francés in 33 Tagen kostet grob 1.000 bis 1.800 €, zwei Wochen ab Porto 400 bis 650 €. Dazu kommen Hin- und Rückreise aus Deutschland, deren Preis stark von Termin und Buchungszeitpunkt abhängt.Wie lange dauert der Jakobsweg von Porto nach Santiago? Die Inlandsroute ab Porto misst 241,4 km in zehn Etappen, üblich sind 11 bis 13 Tage einschließlich eines Ruhetags. Der Küstenweg ist länger, rund 271 km, dafür rechnest du mit 12 bis 14 Tagen. Wer weniger Zeit hat, startet in Tui an der spanischen Grenze, von dort sind es noch 115,8 km in fünf Etappen.Muss ich die Herbergen auf dem Jakobsweg vorher buchen? In öffentlichen Herbergen kannst du nicht reservieren, dort gilt: Wer zuerst kommt, bekommt ein Bett. Private Herbergen nehmen Reservierungen an. Außerhalb der Saison kommst du ohne Buchung aus, im Juli und August und auf den letzten 100 Kilometern ab Sarria oder Tui sind die Betten aber schon gegen Mittag belegt, dort empfehlen wir eine Reservierung.Wann ist die beste Zeit für den Jakobsweg? Am besten sind April bis Juni sowie September und Oktober. Im Juli und August ist auf den Hauptrouten am meisten los, und in Kastilien und auf der Vía de la Plata wird es oft über 40 Grad heiß. Im Winter ist der Camino fast leer, aber ein Teil der Herbergen schließt, und die Route Napoléon über die Pyrenäen ist gesperrt.Wie komme ich aus Deutschland zum Start des Jakobswegs? Am einfachsten ist Porto, wohin es Direktflüge aus mehreren deutschen Städten gibt und von wo die Metro direkt ins Zentrum fährt. Direkt fliegst du auch nach Bilbao (Start des Camino del Norte) und Sevilla (Vía de la Plata). Nach Santiago de Compostela gibt es im Sommer Direktflüge ab Frankfurt, sonst steigst du um. Nach Saint-Jean-Pied-de-Port fliegst du nach Biarritz, Bordeaux oder Toulouse und fährst mit dem Zug über Bayonne weiter.Wo bekomme ich den Pilgerausweis und was kostet er? In Deutschland verschickt ihn unter anderem die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft in Aachen. Ein festes Entgelt gibt es nicht, erbeten wird eine Spende von 10 €, und die Bearbeitung kann bis zu drei Wochen dauern. Vor Ort bekommst du ihn in Pfarreien, Pilgerbüros und vielen Herbergen am Startpunkt für wenige Euro. Ohne Pilgerausweis kommst du in die meisten Herbergen nicht hinein und bekommst auch keine Compostela.Kann ich den Jakobsweg ohne Training gehen? Ja, aber es wird wehtun. Die vernünftigste Vorbereitung sind ein paar ganztägige Wanderungen mit genau dem Rucksack und genau den Schuhen, mit denen du losgehst. Gut eignet sich dafür ein Stück eines Jakobswegs in deiner Nähe oder jeder andere markierte Fernwanderweg. Auf dem Camino selbst gehst du die ersten fünf Tage kürzere Etappen, bis sich dein Körper eingewöhnt hat.

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