Aktualizováno 26.10.2026
Würde uns jemand ein Foto zeigen und behaupten, das sei Norwegen, wir würden es ihm glauben. Der Koman-See im Norden Albaniens ist eine schmale, geflutete Schlucht: Die Felswände stürzen direkt ins Wasser, und an manchen Stellen sieht es so aus, als ginge es gleich nicht mehr weiter. Ein Fjord ist das trotzdem nicht, und ein natürlicher See auch nicht. Es ist ein Stausee am Fluss Drin, angelegt zur Stromerzeugung, und mit Abstand das schönste Nebenprodukt der albanischen Energiewirtschaft.
Für Reisende erfüllt der Koman-See zwei Aufgaben. Er ist ein eigenes Erlebnis, das sich als langer Tagesausflug ab Shkodra machen lässt. Und er ist eine Verkehrsverbindung: In die Albanischen Alpen kommst du ohne die Fähre kaum sinnvoll hinein, weil es am See entlang zum anderen Ufer schlicht keine Straße gibt. Je nachdem, was davon du suchst, sieht die Planung völlig anders aus. Beides hängt aber an einem einzigen Schiff, das einmal am Tag fährt.

Der Koman-See auf einen Blick
- Wo er liegt. In Nordalbanien, rund 70 Kilometer von Shkodra entfernt. Im Westen der Anleger Koman, im Osten Fierzë. Dazwischen 34 Kilometer Wasser und keine Straße.
- Kein echter See. Es ist der Stausee des Wasserkraftwerks Koman am Drin, des zweiten von drei Kraftwerken der Drin-Kaskade. Installierte Leistung 4 × 150 MW, durchschnittliche Jahreserzeugung 1.800 GWh.
- Die Hauptfähre betreibt die Firma Berisha. Sie legt um 9:00 Uhr in Koman und um 13:00 Uhr in Fierzë ab und fährt täglich etwa vom 15. April bis zum 5. November. Die Überfahrt dauert rund 2,5 Stunden.
- Zu Fuß zahlst du 8,80 € bei Online-Buchung, in bar am Anleger 10 € oder 1.000 Lek. Autos werden nach Quadratmetern berechnet.
- Das zweite Schiff, die Dragobia, startet um 6:00 Uhr in Fierzë und um 9:00 Uhr in Koman und nimmt Personen und Motorräder mit, aber keine Autos. Der dritte Anbieter, Alpin, ist teurer und berechnet Autos pauschal.
- Nach Koman kommst du mit dem Minibus ab Shkodra (Abfahrt 6:45 Uhr, etwa 8 €) oder ab Tirana (5:30 Uhr, etwa 12 €). Beide Verbindungen sind auf das Morgenschiff abgestimmt.
- Der häufigste Planungsfehler: den Koman-See als Zwischenstopp auf der Route zu sehen. Er ist eine Sackgasse mit einem Schiff pro Tag und Richtung, ein verpasster Anschluss kostet dich also einen ganzen Tag.
- Unsere Lieblingskombination: mit der Fähre nach Osten in die Albanischen Alpen und zu Fuß über die Berge zurück, statt zweimal dieselbe Strecke übers Wasser.
Was ist der Koman-See und warum sieht er aus wie ein Fjord?
Der Drin hat sich in den weichen Kalkstein eine enge Schlucht gegraben, in die kaum etwas hineinpasste. Als man den Fluss aufstaute, füllte das Wasser diese Schlucht, konnte sich aber nicht in die Breite ausdehnen, weil dafür kein Platz war. So entstand etwas, das die Ausmaße eines Flusses und die Tiefe eines Sees hat: ein Stausee von gut 34 Kilometern Länge, stellenweise nur fünfzig Meter breit, mit Felswänden, die aus mehreren hundert Metern Höhe direkt ins Wasser fallen. Ein Fjord entsteht anders, nämlich durch einen Gletscher, aber die Form ist tatsächlich ähnlich.
Der Stausee gehört zu einer Kaskade aus drei Wasserkraftwerken am Drin. Ganz oben liegt Fierza, darunter Koman und am tiefsten Vau i Dejës. Das Kraftwerk Koman betreibt bis heute der staatliche Energiekonzern KESH. Laut dessen technischen Daten arbeiten dort vier vertikale Francis-Turbinen mit je 150 MW, zusammen also 600 MW, bei einer durchschnittlichen Jahreserzeugung von 1.800 GWh und einem maximalen Betriebswasserstand von 175,5 Metern über dem Meer. Es ist das größte Kraftwerk des Landes, was nebenbei erklärt, warum der Wasserstand im Lauf des Jahres spürbar schwankt.
Ein Detail, das in vielen Artikeln falsch steht: Als Entstehungsjahr des Koman-Sees wird fast überall 1978 genannt. Diese Jahreszahl gehört aber zum benachbarten Fierza-Staudamm, der von 1971 bis 1978 gebaut wurde und ein Jahr später in Betrieb ging. Der Koman-Damm entstand erst in den Achtzigerjahren, gefüllt wurde der Stausee in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. Für deine Reise ändert das nichts, es zeigt aber, wie oft in Texten über diese Region Angaben aus zweiter Hand abgeschrieben werden.
Die Hügel direkt am Ufer sind fünfhundert bis tausend Meter hoch, weiter nördlich steigen schon die Zweitausender der Albanischen Alpen auf. Am Ufer gibt es nirgends eine durchgehende Straße, und die Dörfer, die hier geblieben sind, erreichst du nur per Boot. Deshalb ist die Fähre auch keine für Touristen gebaute Attraktion, sondern öffentlicher Nahverkehr, der hier auch dann fahren würde, wenn niemand den See kennen würde.

Koman-Fähre: Anbieter, Fahrplan und Preise
Auf dem See fahren drei Schiffe, und die meiste Verwirrung entsteht dadurch, dass man sie nicht auseinanderhält. Die Tabelle beruht auf der Preisliste und dem Fahrplan des Betreibers Berisha, Stand 13. 9. 2026.
| Schiff | Abfahrten | Fußgänger | Fahrzeug | Saison |
|---|---|---|---|---|
| Berisha (Hauptfähre) | Koman 9:00 → Fierzë Fierzë 13:00 → Koman | 8,80 € online, 10 € oder 1.000 Lek bar | 7 €/m² online, 8 €/m² oder 800 Lek/m² bar | etwa 15. 4. – 5. 11. |
| Dragobia (kleineres Schiff) | Fierzë 6:00 → Koman Koman 9:00 → Fierzë | ähnliches Preisniveau wie Berisha | nur Motorräder, keine Autos | fährt auch außerhalb der Hauptsaison, mit Zwischenhalten |
| Alpin | Fierzë gegen 8:00 Koman gegen 11:00 | etwa 15 bis 20 € | pauschal, Pkw rund 4.000 Lek (etwa 40 €) | Sommersaison |
Berisha nimmt außer Autos auch Minibusse, Wohnmobile, Fahrräder und Motorräder mit. Ein Fahrrad kostet online 10,60 €, ein Motorrad 18,50 €, bar jeweils rund zwei Euro mehr. Eine Kleinigkeit, die kaum jemandem auffällt: Der Barpreis in Euro und der in Lek sind nicht dasselbe. Bei einem Kurs von etwa 95 Lek pro Euro sind zehn Euro spürbar weniger als tausend Lek. Wenn du am Anleger bar zahlst, lohnt es sich also, in Euro zu zahlen.
Gebucht wird direkt beim Betreiber, und zwar auf drei Wegen: über das Buchungssystem auf komanilakeferry.com, per E-Mail an kontakt@komanilakeferry.com oder telefonisch unter einer der albanischen Nummern, die auf der Website stehen. Online zahlst du per Karte oder PayPal, bei Buchung per E-Mail oder Telefon bar an Bord. Bewährt hat sich bei uns, in der Hauptsaison ein paar Tage im Voraus zu buchen, mit Auto ruhig eine Woche; im Frühjahr und Herbst reicht der Vortag. Lade dir die Bestätigung schon in Shkodra aufs Handy, am Anleger kannst du dich auf Empfang nicht verlassen.
Anreise zum Koman-See
Aus Deutschland fliegst du am einfachsten nach Tirana. Direktflüge gibt es von mehreren deutschen Flughäfen, das Angebot wechselt aber je nach Saison und Airline, schau also vor der Buchung beim Flughafen oder direkt bei den Fluggesellschaften nach. Wer mit dem eigenen Auto oder Wohnmobil kommt, fährt über den Balkan oder nimmt eine Fähre aus Italien nach Albanien. Vom Flughafen Tirana geht es dann weiter nach Shkodra oder direkt zum See.
Der Anleger Koman liegt rund 70 Kilometer von Shkodra und zweieinhalb bis drei Autostunden von Tirana entfernt. Die Straße am Drin entlang ist schmal und kurvig, ihr letztes Stück bis zum Anleger ist meist der schlechteste Teil der ganzen Fahrt, plane also Puffer ein. Der Fährbetreiber hat für die Zubringer eigene Minivans, deren Zeiten auf das Schiff abgestimmt sind.
| Verbindung | Abfahrt | Preis |
|---|---|---|
| Shkodra → Koman | 6:45 | 8 € |
| Koman → Shkodra | 15:45 | 8 € |
| Tirana → Koman | 5:30 | 12 € |
| Koman → Tirana | 15:45 | 12 € |
| Fierzë → Valbona | 12:00 und 16:00 | 8 € |
| Valbona → Fierzë | 10:30 | 8 € |
| Taxi Shkodra → Koman | nach Absprache | ab 70 € pro Wagen |
Wer nicht um fünf Uhr morgens in Tirana aufstehen will, hat zwei vernünftige Optionen. Entweder du übernachtest in Shkodra und fährst morgens nur zwei Stunden, so machen wir es auch, oder du nimmst ein Taxi. Das lohnt sich ab drei Personen und vor allem dann, wenn du vor den Bussen am Anleger sein willst, denn dann kannst du dir an Bord den Platz aussuchen.
Ab Shkodra fährt außerdem ein gewöhnlicher Minibus, der frühmorgens an einer inoffiziellen Haltestelle in der Nähe des Zentralmarkts startet. Er ist günstiger, hat aber keine garantierten Anschlüsse und füllt sich in der Saison schnell. Den Platz lässt du dir am besten schon am Vorabend über deine Unterkunft reservieren.
Mit dem Auto auf die Koman-Fähre: wann es sich lohnt und was es wirklich kostet
Das ist die häufigste Frage und gleichzeitig der Punkt, an dem die meisten beim Preis danebenliegen. Berisha berechnet Autos nicht pauschal, sondern nach der Grundfläche, also Breite mal Länge. Ein durchschnittlicher Kompaktwagen mit 1,8 Metern Breite und 4,2 Metern Länge kommt auf 7,56 m². Bei Online-Buchung sind das etwa 53 €, bar rund 60 € pro Richtung. Ein Kombi oder Transporter liegt schnell über 70 €, bei einem Wohnmobil kannst du dir den Preis anhand der Maße selbst ausrechnen.
Die Plätze für Fahrzeuge sind im Sommer tatsächlich knapp, und Autos werden vor den Fußgängern abgefertigt. Der Betreiber will Fahrzeuge dreißig Minuten vor Abfahrt am Anleger sehen, im Juli und August empfehlen wir eher eine Stunde. Ohne Online-Buchung kannst du dich in der Hauptsaison nicht darauf verlassen, mit dem Auto an Bord zu kommen.
Für uns hat sich das Auto auf der Fähre nicht gelohnt. Auf der anderen Seite, im Valbona-Tal, bist du sowieso zu Fuß unterwegs, und der Asphalt endet beim letzten Hotel. Für Hin- und Rücktransport des Wagens zahlst du schnell rund 100 €, damit das Auto vier Tage auf einer Wiese steht. Sinnvoll ist es nur in zwei Fällen: wenn du über Bajram Curri weiter in den Kosovo fährst oder wenn im Auto Gepäck für eine längere Balkanrundreise liegt, das du nicht mitschleppen willst.
Der Fluss Shala: das Seitental, wegen dem die Hälfte der Leute kommt
Etwa auf halber Strecke zweigt nach Norden ein Seitental ab, durch das der kleine Fluss Shala in den See fließt. Das Wasser ist dort flach und glasklar, im Sommer gesäumt von weißen Kiesstränden, weshalb der Ort den Spitznamen „albanisches Thailand“ trägt. Das ist übertrieben, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen: Die Farbe des Wassers ist tatsächlich eine andere als im Hauptbecken, weil die Shala direkt aus den Bergen kommt und keine Sedimente mitführt.
Die Shala ist keine Haltestelle der normalen Linie Koman–Fierzë. Hin kommst du entweder mit einem eigenen Ausflug, der morgens in Koman ablegt, drei bis vier Stunden am Fluss bleibt und nachmittags nach Fierzë weiter- oder zurückfährt, oder mit einem Schnellboot. Ganztagesausflüge kosten je nach Umfang etwa 25 bis 50 €. Die Saison ist kürzer als bei der Fähre, praktisch von Mitte April bis Mitte Oktober.

Drei Arten, den Koman-See zu erleben
Bevor du dich mit Abfahrtszeiten beschäftigst, lohnt es sich zu entscheiden, was du eigentlich willst. Es gibt drei Varianten, und jede wird anders geplant.
1. Tagesausflug ab Shkodra. Morgens mit dem Minivan nach Koman, um neun mit dem Schiff nach Fierzë, um 13 Uhr zurück und am Nachmittag Abfahrt nach Shkodra. Zurück bist du gegen sechs Uhr abends. Du siehst den ganzen See zweimal, musst nichts packen und schläfst wieder in der Stadt. Der Nachteil: Du verbringst fünf Stunden auf dem Schiff und steigst nirgends aus.
2. Durchreise in die Albanischen Alpen. Du nutzt die Fähre als Transport nach Osten, steigst in Fierzë in den Minibus um und fährst hinauf ins Valbona-Tal. Zurück geht es dann zu Fuß über die Berge nach Theth und von dort mit dem Direktbus nach Shkodra. Das ist für uns die schönste Variante, weil du See und Berge je einmal siehst und nie denselben Weg zurückfährst.
3. Ausflug zum Fluss Shala. Entweder als eigenes Tagesprogramm ab Koman oder als Kombination Koman – Shala – Fierzë, die dich am Ende des Tages auf der Ostseite absetzt, sodass du in die Berge weiterreisen kannst. Diese Variante passt, wenn du im Juli oder August unterwegs bist und baden willst.
Übernachten: Shkodra als Basis, Koman und Fierzë als Notlösung
Direkt am See gibt es nicht viel, und das solltest du vorher wissen. Am Anleger in Koman stehen ein paar Pensionen und Holzhütten, in Fierzë fast nichts. Die allermeisten übernachten deshalb in Shkodra und machen den See als Tagesausflug oder auf der Durchreise.
Shkodra (Shkodër) ist die logische Basis. Es gibt Geldautomaten, eine Fußgängerzone, in der abends viel los ist, an jeder Ecke ein ordentliches Bistro und vor allem fährt von hier alles ab: der Minivan zur Fähre, der Bus nach Theth und die Busse nach Tirana und Montenegro. Die Preise liegen deutlich unter denen an der Küste, und die Auswahl reicht vom Hostel bis zum neuen Boutiquehotel im Zentrum. Wir buchen hier zwei Nächte, eine vor der Fahrt in die Berge und eine nach der Rückkehr, dann muss man an keinem der beiden Tage hetzen. Unterkünfte in Shkodra ansehen.
Koman lohnt sich nur in einer Situation: wenn du nicht um fünf aufstehen und morgens als Erster am Anleger sein willst. Das Angebot ist klein, meist familiengeführte Pensionen und neue Holzhütten über dem Wasser. Buche rechtzeitig, die Kapazität ist wirklich begrenzt und in der Saison schnell ausgebucht. Freie Unterkünfte in Koman finden.
Fierzë ist eher ein Anleger als ein Ort, übernachten will hier niemand. Wer mit dem Nachmittagsschiff ankommt und den Anschlussbus verpasst, fährt meist weiter nach Bajram Curri oder gleich zu einer Unterkunft in Valbona, wo es familiengeführte Guesthouses mit Halbpension gibt.
Worauf du bei der Wahl achten solltest. Erstens, ob deine Unterkunft in Shkodra dir einen Platz im Minivan zur Fähre organisieren kann, das erspart eine halbe Stunde Herumtelefonieren. Zweitens aufs Parken, falls du mit dem Auto kommst und es in der Stadt stehen lässt. Und drittens aufs Bargeld: In den Bergen hinter dem See findest du keinen Geldautomaten, Geld holst du also in Shkodra, nicht erst unterwegs.
Beste Reisezeit für den Koman-See und was du mitnehmen solltest
Die Hauptfähre fährt etwa von Mitte April bis Anfang November. Außerhalb dieses Zeitfensters ist nur das kleinere Schiff in Betrieb, und darauf würden wir uns bei der Planung nicht verlassen.
Mai und Juni sind für uns am schönsten. Nach dem Winter ist am meisten Wasser im Stausee, der Pegel steht hoch, und von den Wänden fallen noch dünne Wasserfälle, die im Sommer austrocknen. Außerdem ist an Bord Platz. Juli und August bedeuten ein volles Schiff, Buchungspflicht und die größte Gefahr, mit dem Auto nicht mehr an Bord zu kommen. Dafür ist es warm genug zum Baden in der Shala. September und Anfang Oktober sind ein Kompromiss: ruhig, angenehme Temperaturen, aber der Wasserstand ist nach dem Sommer oft niedrig, und an den engsten Stellen wirkt es weniger dramatisch.
Auch im Sommer ist es auf dem Wasser kühl. Das Schiff fährt zweieinhalb Stunden durch die zugige Schlucht, ein Pulli oder eine Windjacke lohnt sich also selbst im August. An Bord kannst du nichts kaufen, nimm Wasser und Essen deshalb schon aus Shkodra mit, dazu Bargeld in Lek, weil am Anleger Karten meist nicht akzeptiert werden. Offline-Karten lädst du vorher herunter, auf dem Wasser hast du praktisch keinen Empfang.
Wo du auf dem Schiff stehen solltest: auf dem offenen Deck, nicht in der Kabine. Die Schlucht ist der ganze Sinn der Fahrt, und durch die Scheibe sieht sie anders aus. Die Sonne spiegelt sich im Wasser, und das sieht man auf den Fotos. Am besten hat es bei uns morgens auf der Fahrt ab Koman geklappt, wenn die Sonne noch tief steht und die Wände keine harten Schatten werfen. Ein bewölkter Tag ist keine Katastrophe, im Gegenteil, dann hat der Canyon weichere Farben.
Was wir anders machen würden
Beim ersten Mal haben wir den See als reine Verbindung abgehakt. Wir sind eingestiegen, haben zweieinhalb Stunden fotografiert und dabei überlegt, ob wir den Minibus nach Valbona noch erwischen. Beim zweiten Mal haben wir auf demselben Schiff kaum fotografiert, und es war viel besser. Der Koman-See ist einer der wenigen Orte, an denen dich niemand irgendwohin treibt, weil du drei Stunden einfach sitzt, und es wäre schade, sie mit dem Blick aufs Display zu verbringen.
Wir würden den Tag auch nicht mehr so planen, dass auf das Schiff gleich die nächste Etappe folgt. Wer in Fierzë aussteigt und sofort in den Minibus steigt, hat den ganzen Tag keine Stunde Ruhe. Uns hat es viel mehr gebracht, nur bis Valbona zu fahren, nirgends mehr hinzuhetzen und abends draußen zu sitzen.
Und vor allem: Wir würden nicht versuchen, in einem Urlaub den See, die Shala, Theth und Valbona abzuhaken. Diese Gegend hat ein Schiff am Tag und einen Bus am Tag, und wer sie plant wie eine Rundreise durch Italien, sitzt am Ende die ganze Woche in irgendeinem Verkehrsmittel. Lieber zwei Orte in Ruhe als vier abgehakte. Den besten Abend in diesem Teil Albaniens haben wir in einem Lokal verbracht, über das niemand geschrieben hat, bei Fisch aus dem See und Raki, den man uns eingeschenkt hat, ohne dass wir danach gefragt hätten. So etwas lässt sich nicht einplanen, aber es muss Platz dafür bleiben.
Häufige Fragen zum Koman-See
Was kostet die Koman-Fähre?
Fußgänger zahlen beim Hauptanbieter Berisha 8,80 € bei Online-Buchung oder 10 € bzw. 1.000 Lek bar am Anleger. Ein Fahrrad kostet online 10,60 €, ein Motorrad 18,50 €. Autos werden nicht pauschal berechnet, sondern nach Grundfläche: 7 € pro Quadratmeter online oder 8 € bar. Ein normaler Kompaktwagen kostet damit etwa 53 bis 60 € pro Richtung. Preise Stand 13. 9. 2026.
Wie ist der Fahrplan der Fähre auf dem Koman-See?
Die Hauptfähre von Berisha legt täglich um 9:00 Uhr in Koman und um 13:00 Uhr in Fierzë ab. Die Fahrt dauert etwa 2,5 Stunden, die Saison läuft ungefähr vom 15. April bis zum 5. November. Das kleinere Schiff Dragobia startet um 6:00 Uhr in Fierzë und um 9:00 Uhr in Koman und nimmt Personen und Motorräder mit. Der dritte Anbieter Alpin fährt gegen 8:00 Uhr ab Fierzë und gegen 11:00 Uhr ab Koman. Die Zeiten ändern sich zwischen den Saisons, lass sie dir am Vortag bestätigen.
Wie kann ich die Koman-Fähre buchen?
Direkt beim Betreiber Berisha: über das Buchungssystem auf komanilakeferry.com, per E-Mail an kontakt@komanilakeferry.com oder telefonisch unter den Nummern, die auf der Website stehen. Online zahlst du per Karte oder PayPal, bei Buchung per E-Mail oder Telefon bar an Bord. Der Online-Preis ist außerdem niedriger, zu Fuß zahlst du 8,80 € statt 10 €. In der Hauptsaison buchst du am besten einige Tage vorher, mit Auto lieber eine Woche.
Wie komme ich von Shkodra zum Koman-See?
Mit dem Minivan des Fährbetreibers, der um 6:45 Uhr abfährt und 8 € kostet, oder mit dem gewöhnlichen Minibus ab dem Zentralmarkt. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden. Ein Taxi kostet ab 70 € pro Wagen und lohnt sich ab drei Personen. Ab Tirana fährt der Minivan schon um 5:30 Uhr für 12 €.
Kann man das Auto mit der Fähre über den Koman-See bringen?
Ja, die Berisha-Fähre transportiert Autos, Minibusse und Wohnmobile und berechnet sie nach Grundfläche. Die Kapazität ist im Sommer aber begrenzt, Fahrzeuge werden vor den Fußgängern abgefertigt, und ohne Online-Buchung kannst du dich in der Hauptsaison nicht auf einen Platz verlassen. Sei mindestens dreißig Minuten vorher am Anleger, im Juli und August lieber eine Stunde.
Lohnt sich ein Ausflug zum Fluss Shala?
Wenn du in den warmen Monaten reist und baden willst, ja. Das Wasser ist flach, klar und hat eine andere Farbe als im Hauptbecken, weil es direkt aus den Bergen kommt. Die Shala ist aber keine Haltestelle der normalen Linie, du kommst nur mit einem eigenen Ausflug oder einem Schnellboot hin, und ein Ganztagesprogramm kostet etwa 25 bis 50 €. Die Saison ist kürzer als bei der Fähre.
Wie lang und wie tief ist der Koman-See?
Der Stausee ist etwa 34 Kilometer lang, stellenweise nur rund fünfzig Meter breit und gehört zu den tiefsten Albaniens. Die genaue Tiefe wird in den Quellen unterschiedlich angegeben, deshalb nennen wir sie lieber nicht als Tatsache. Sicher ist, dass es sich um den Stausee des Wasserkraftwerks Koman handelt, das laut Betreiber KESH eine installierte Leistung von 600 MW und eine durchschnittliche Jahreserzeugung von 1.800 GWh hat.
Kann man den Koman-See als Tagesausflug machen?
Ja, und das ist die häufigste Variante. Ab Shkodra startest du um 6:45 Uhr, um 9:00 Uhr steigst du aufs Schiff, um 13:00 Uhr geht es zurück, und gegen sechs Uhr abends bist du wieder in der Stadt. Du siehst den ganzen See, steigst aber nirgends aus und verbringst fünf Stunden an Bord. Wer mehr vom See haben will, nutzt ihn als Weg in die Albanischen Alpen.
Wie es weitergeht
- Albanien Sehenswürdigkeiten: der große Überblick über das ganze Land, von der Küste bis in die Berge.
- Valbona-Tal: das Tal auf der anderen Seite des Sees, in das der Anschlussbus ab Fierzë fährt.
- Nationalpark Theth: die zweite Hälfte der Albanischen Alpen und eine ausführliche Beschreibung der Passüberquerung.
- Albanien Sicherheit: das Wichtigste vor der Reise, auch zu Verkehr und Bargeld.
- Albanien Strände: wenn du nach den Bergen noch ans Meer willst.
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